Sport : Im Spiegel des Tages: Die Notwendigkeit eines Neuanfangs

Dietmar Wenck

Der Deutsche Hockey-Bund (DHB) fängt neu an. Das Präsidium des nur 62 000 Mitglieder starken und dennoch in der Vergangenheit sehr erfolgreichen Verbandes hat nicht überstürzt, aber nach reiflichem Nachdenken konsequent gehandelt. Beide DHB-Teams hatten die traditionell hohen Erwartungen schon bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta nicht erfüllt: Dort landeten die Damen auf Rang sechs, die Herren auf Platz vier. Vier Jahre später in Sydney war das Ergebnis nicht besser, sondern mit den Platzierungen sieben und fünf schlechter. Danach wurde gemeinsam mit den sportlich Verantwortlichen analysiert und diskutiert. Nun müssen die Bundestrainer gehen. Die Trennung von Damen-Bundestrainer Berti Rauth wurde am vergangenen Freitag bekannt; gestern folgte die Meldung, dass auch die Zeit von Paul Lissek als Herren-Bundestrainer vorbei ist.

Lissek kann diese Entscheidung nicht verstehen und lehnt schwer gekränkt Kommentare ab. Sollte er sie als großer Verfechter des Leistungsprinzips nicht akzeptieren? Der sportliche Erfolg der Mannschaft stand bei ihm über allem. Er hat mit seinen Personal- und spieltaktischen Entscheidungen nicht immer nur Zustimmung gefunden. Aber so lange er gewann, hatte er auch Recht. Dreimal wurde Lissek seit seiner Amtsübernahme 1991 Europameister, dreimal gewann er die Champions Trophy. Die Krönung war der Olympiasieg 1992.

Doch gerade Olympische Spiele sind für den DHB die entscheidende Veranstaltung. Schon Lisseks Vorgänger Kleiter musste vor allem deshalb gehen, weil er zweimal nur Olympia-Silber gewonnen hatte statt des ersehnten Goldes. Seinerzeit reagierte Kleiter genauso persönlich betroffen wie nun sein Nachfolger. Der 53-jährige Lissek will es genau so wenig wahrhaben, dass die Mannschaft nicht mehr hundertprozentig an den Erfolg mit ihm glaubte. Dem Verband blieb im Grunde keine andere Wahl, so schmerzlich sie nach insgesamt 22 Jahren Zusammenarbeit mit Lissek auch gewesen sein mag. Der DHB braucht Medaillen bei Olympischen Spielen, um seine Randsportart verkaufen zu können, an den Sponsor zu bringen. Um zu überleben. Und sei es mit einem neuen Anfang.

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