Sport : Im Spiegel des Tages: Ehrenamtlich inkonsequent

Ernst Podeswa

Wenn es nach Wolfgang Schoeppe ginge, dürfte Dieter Baumann in Dortmund starten. Denn nach dem Verständnis Schoeppes ist die durch den Weltverband IAAF ausgesprochene Sperre von zwei Jahren gegen den Langstreckenläufer "rechtswidrig". Dass zwei positive Dopingproben vorliegen, dass Anträge auf die Starterlaubnis in Dortmund von zwei Stuttgarter Justizkammern abgewiesen wurden - all das muss Schoeppe nicht interessieren. Denn der Ansbacher ist Vorsitzender des Rechtsausschusses im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Und als solcher unabhängig - vom DLV, der IAAF oder wem auch immer. Gleichgültig, wie man Schoeppes Bewertung sieht, seine Position als DLV-Ehrenamtsjurist reizt er voll aus. Und da ist es ihm auch egal, dass seine Entscheidung den Weltverband veranlassen könnte, Strafen bis zum Startverbot für alle deutschen Athleten zu verhängen.

Ähnliches hat der Ringer-Weltverband Fila dem Deutschen Ringer-Bund angedroht. Weil dessen Rechtsausschuss Alexander Leipold trotz der Suspendierung durch die Fila gegen die Intention des Ringer-Bundes national ringen ließ. Auch in der Affäre des Dopingsünders Andreas Kappes stellt sich der Rechtsausschuss den Sanktionsabsichten des Radsportverbandes entgegen.

Was beweist: Mit ehrenamtlichen Rechtsabteilungen lässt sich kein konsequenter Kampf gegen Doping führen. Die angekündigte übergreifende Antidoping-Agentur Nada ist überfällig.

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