Sport : Im Spiegel des Tages: Ein Job für Berti Vogts

Sven Goldmann

Berti Vogts war stets, und das nicht nur im Ausland, das Abbild des biederen Deutschen, gesegnet mit Sekundärtugenden wie Fleiß und Beharrlichkeit, mit anderen Worten: das genaue Gegenteil von, sagen wir mal Jimmy Hartwig. Da stimmt es schon bedenklich, dass sich in den letzten Tagen eine Parallele aufgetan hat zwischen Biedermann und Outcast: Beide haben die Affäre Christoph Daum genutzt, um mal wieder in der Öffentlichkeit aufzutauchen. Hartwig mit seinen dummschwafeligen Geschichten von gemeinsamen Schnupf-Freuden mit Daum. Und Vogts mit seiner als Hilfsangebot getarnten Bewerbung für den Trainerjob bei Bayer Leverkusen.

"Ich will Bayer helfen, solange Rudi Völler beim DFB ist. Dazu fühle ich mich verpflichtet." Das hat Vogts denjenigen erzählt, denen man so etwas erzählen muss: den Reportern der "Bild"-Zeitung. Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hat brav mitgespielt und, ebenfalls via "Bild", gesagt: "Der Berti ist einer für uns." Das ist genau der Satz, den Vereinsverantwortliche gerne sagen, wenn sie einen Strohmann für die Öffentlichkeit brauchen, um von den ernstgemeinten Verhandlungen abzulenken. So gesehen hätte Herr Holzhäuser nicht einmal gelogen: Vogts ist für diese Situation der richtige Mann.

Für die Besetzung des vakanten Trainerpostens ist ein Mann wie Vogts, der seit gut zwei Jahren aus dem Geschäft ist und noch nie bei einem Bundesligaverein gearbeitet hat, natürlich der Letzte, den sie bei Bayer brauchen. Noch dazu, wenn die Zeiten so unruhig sind, wie sie im beschaulichen Leverkusen noch nie waren. Das ist Vogts jetzt wohl auch selbst aufgegangen, denn gestern hat er der Deutschen Presse-Agentur gesagt: "Meine Tendenz geht ins Ausland."

Ach ja, dieses Angebot aus dem Ausland, von dem Berti Vogts schon so lange spricht, das aber einfach nicht kommt, obwohl es doch so schöne Spekulationen gab. Mal war es ein Scheichtum am Golf, zuletzt die englische Nationalmannschaft. Es hat dann doch nur zu einem Posten im Aufsichtsrat von Borussia Mönchengladbach gereicht.

Seine beste Zeit hatte Vogts als Nachwuchstrainer, der dem Teamchef Franz das Personal geliefert hat für seine Erfolge. Littbarski, Völler, Häßler - der Jugendcoach Vogts hat sie alle geformt, und nicht wenige sagen, dass der WM-Sieg 1990 unter Beckenbauer vor allem ein Triumph seines kleinen Adjutanten war. Seine letzten Tage als Bundestrainer hat Vogts 1998 dem Kampf für ein neues Nachwuchskonzept gewidmet. Das Konzept wird immer noch diskutiert, es fehlt nur einer, der es umsetzt. Einer wie Berti Vogts eben.

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