Sport : Im Spiegel des Tages: Ein Star auf dem Logenplatz

Hartmut Moheit

Den besten Blick hatte Stefan Kretzschmar, gewissermaßen einen Logenplatz. Im Spiel seines SC Magdeburg in Flensburg stand der hoch gelobte Handball-Star meist völlig unbeteiligt an der linken Außenlinie und beobachtete, wie die Mitspieler ein ums andere Mal an der Deckung des Gegners scheiterten. Am Ende des Bundesligaspiels triumphierten die Gastgeber sicherer, als es das 24:22 ausdrückte. Und der Nationalspieler mit den 14 Tattoos auf der Haut bot bis zum Abpfiff eine enttäuschende Leistung. Er hätte seinen Platz im Angriff an diesem Tag getrost einem Wechselspieler überlassen können. Damit stand Kretzschmar geradezu als Symbol für das Team von der Elbe.

Nur gut, dass noch niemand beim ostdeutschen Spitzenklub - angesichts der zwischenzeitlich verlustpunktfreien Tabellenführung - vom Titel gesprochen hatte. Vielmehr wurde immer wieder auf die Woche der Wahrheit hingewiesen, die nunmehr hinter dem SCM liegt. Niederlagen in Kiel und Flensburg sowie ein Pünktchen im Heimspiel gegen Wallau-Massenheim belegen, dass der erhoffte Durchbruch noch nicht gelungen ist. "Für uns ist der Zug in der Bundesliga vorerst abgefahren", trauerte Trainer Alfred Gislason der guten Ausgangsposition hinterher. Seit der Wende nun schon versucht der Traditionsklub, längst mit einem Millionenetat ausgestattet, das Zepter in Deutschland zu übernehmen. Er scheint zwar weiterhin dicht davor zu sein, aber noch ist ihm vor allem die Konkurrenz aus dem Norden ein kleines Stück voraus.

Für den Magdeburger Henning Fritz war der Grund klar: "Uns fehlt die Abgebrühtheit in den entscheidenden Momenten." Allein daran dürfte die Niederlage in Flensburg nicht gelegen haben. Einen Auswahlspieler auf dem Logenplatz kann sich kein Spitzenteam leisten.

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