Sport : Im Spiegel des Tages: Ein Tor für Amerikanisch-Samoa

Benedikt Voigt

Es sind besondere Menschen, die sich während eines Fußballspiels für die kleinen Dinge begeistern können. Sie finden es toll, wenn der Mitspieler einen Ball in ihre Richtung schlägt, selbst wenn dieser weit über den Fangzaun in die Kleingartenanlage fliegt. Beweist doch dieser kleine Liebesdienst, dass man sie auf der rechten Außenbahn noch nicht vergessen hat. Sie registieren außerdem aufmerksam, wenn der Platzregen während der Partie sich endlich in einen Nieselregen verwandelt. Oder wie viele Zuschauerinnen sich das Spiel diesmal freiwillig antun. Ferner interessiert sie, ob die Vereinsgaststätte mit einem Biergarten ausgestattet ist. Alle diese Menschen eint eine Besonderheit. Sie verlieren regelmäßig ihre Fußballspiele. Oft und hoch.

Es ist nicht bekannt, ob die Spieler von Amerikanisch-Samoa gerne den Biergarten oder einen Pub besuchen. Sie sollten es aber tun. Zum Fußball spielen sind die Spieler aus der Südsee offensichtlich nicht nach Coffs Harbour (Australien) gereist, wo gegenwärtig die Qualifikation der Ozeanien-Gruppe zur Fußballweltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan stattfindet. Die Nationalspieler des Südsee-Staates stellten gestern beim 0:31 gegen Australien einen traurigen Rekord auf. Noch nie zuvor verlor eine Nation in einem offiziellen Länderspiel so hoch. Es dürfte ihnen nur ein kleiner Trost sein, dass die Australier zuvor gegen Tonga beim 22:0 ebenfalls einen neuen Rekord aufgestellt haben. Es scheint, dass die australische Fußballnationalmannschaft dort unten ein besonders starker Gegner ist. Ganz nebenbei konnte der australische Stürmer Archie Thompson einen weiteren Rekord aufstellen. Seine 13 Treffer gegen Amerikanisch-Samoa bilden ebenfalls eine neue Rekordmarke. Archie Thompson kann jubeln. Wie aber geht es Amerikanisch-Samoa?

Die Kicker vom anderen Ende der Welt sollten sich für die kleinen Dinge bei einem Fußballspiel begeistern. Fürs Wetter zum Beispiel, das dürfte in Coffs Harbour sehr angenehm gewesen sein. Aber wahrscheinlich hat ein Fußballer dafür gar keinen Sinn, der aus Amerikanisch-Samoa kommt. Dort scheint die Sonne ja die meiste Zeit und die Damen aus der Südsee dürften zumeist in Bikinis durch den Sand rennen. Weshalb die Fußballer aus Amerikanisch-Samoa wahrscheinlich auch der Blick auf die Australierinnen in den Zuschauerrängen nicht ausreichend ablenken konnte. Was brauchen die Fußballer von Amerikanisch-Samoa dann? Wahrscheinlich dürfte sie nur das aufheitern, worum es im Fußball immer geht. Mit null Punkten und 0:52 Toren belegen sie in der Ozeanien-Gruppe den letzten Platz. Amerikanisch-Samoa braucht ein Tor.

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