Sport : Im Spiegel des Tages: Ein Wechsel, viele Probleme

Jörg Wenig

Im bayerischen Örtchen Wunsiedel endet am Sonnabend eine Ära: Nach achtjähriger Amtszeit wird Helmut Digel nicht mehr als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) kandidieren. Viele werden den Abgang eines engagierten Helmut Digel bedauern, andere den Verzicht eines unbequemen Präsidenten begrüßen. Doch angesichts der Nachfolgeregelung wird sich die Anzahl jener in Grenzen halten, die den Wechsel begrüßen. Denn der einzige Kandidat, Vizepräsident Clemens Prokop, hat nicht die Persönlichkeit, die dieses Amt verlangt. Der DLV hat es versäumt, beispielsweise der vorbildlichen Lösung der Briten zu folgen. UK Athletics wird erfolgreich geführt von zwei großen ehemaligen Athleten: David Hemery und David Moorcroft.

Als Helmut Digel 1993 zum Nachfolger von Helmut Meyer gewählt wurde, übernahm er kein leichtes Amt. Das Vertrauen in die deutsche Leichtathletik hatte unter der Dopingaffäre um Katrin Krabbe gelitten. Und in den neuen Bundesländern gab es wichtigere Dinge als Sport. Unter Digel kam die olympischen Kernsportart voran. Dabei hatte der Präsident 1993 einen Heimvorteil: Der Erfolg bei den Weltmeisterschaften von Stuttgart gab Rückenwind. Digel und der DLV kämpften national und international hart und vorbildlich gegen Doping. Dadurch kam auch Rechtswart Clemens Prokop stärker zur Geltung. Doch manches von dem, was damals entstand, würde Helmut Digel heute wohl anders machen. Auf der Strecke blieben zum Beispiel im anfangs gefeierten Athletenvertrag die Rechte der Sportler. So wurde der DLV im Fall Baumann quasi von den Folgen der eigenen Initiativen überrollt.

Aber es war nicht nur der Anti-Doping-Kampf, den Digel führte. Der Präsident, der als zu wenig athletennah galt und lange Zeit auch im Osten Deutschlands viel Skepsis erntete, passte die veralteten Verbandsstrukturen der Zeit an.

Im Prinzip übernimmt Prokop den DLV nun ebenso wie damals Digel in einer schwierigen Situation. Der Fall Baumann und seine Folgen hinterlassen in der Öffentlichkeit nur noch Ratlosikgkeit. Sportlich steht es nicht zum Besten. Und Prokop gilt auch nicht als athletennah - heute noch weniger als früher Helmut Digel.

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