Sport : Im Spiegel des Tages: Eine Sache von Millimetern

Ernst Podeswa

Wir wissen nicht, nach welchen Kriterien Freddy Brubbacher seinen Weihnachtsbaum aussucht. Doch die Vermutung liegt nahe, dass dies langwierig werden dürfte. Denn welches Grün ist schon vollkommen: Da stimmt die Höhe, nicht aber die Breite - oder umgekehrt. Irgendetwas fehlt immer.

Und es ist nun mal die Sache des Herrn Brubbacher, ganz genau hinzuschauen. Denn Brubbacher ist Schweizer. Und er ist zugleich Vermessungsbeauftragter des Internationalen Skiverbandes. Als solcher hat er darüber zu wachen, dass die Vorgaben eingehalten werden: Wie lang ein Ski sein darf, wie breit. Und an welcher Stelle. Das ist wichtig geworden. Weil die Ski, mittlerweile Hightech-Geräte, seit einiger Zeit tailliert sind. In der Mitte schmaler als am Ende. Damit man besser um die Slalomstangen oder Ecken drehen kann.

Gestern nun ist Brubbacher beim Slalom in Sestriere fündig geworden. Bei Martina Ertl, der im Gesamt-Weltcup Führenden. Sechs Zentimeter mindestens muss ihr Sportgerät in der Taille messen. Exakt 5,998 Zentimeter wurden festgestellt. Zwei Hundertstel Millimeter (!) zu wenig. Ertl wurde disqualifiziert. "Die Entscheidung ist gerechtfertigt. Dafür gibt es ja ein Reglement", sagte die Deutsche. Und Cheftrainer Maier erinnerte: "Wenn in der Formel 1 der Spoiler eines Autos einen Millimeter zu tief ist, wird der Fahrer auch disqualifiziert." Im Prinzip richtig. Es sei denn, man heißt Michael Schumacher und hat Bernie Ecclestone hinter sich. Einmal wurde Schumacher wegen eines Millimeter-Regelverstoßes am Auto disqualifiziert - ein zweites Mal dann jedoch nicht. Was wiederum beweist: Millimeter ist nicht gleich Millimeter.

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