Sport : Im Spiegel des Tages: Es geht nicht um den Tannenbaum

Klaus Rocca

Der Herbstmeistertitel sei ihm unwichtig. "Deshalb verkaufen wir in Gelsenkirchen nicht einen Tannenbaum mehr", meinte Rudi Assauer, Manager des Herbstmeisters Schalke 04. Assauer soll ja auch keinen Tannenbaum verkaufen. Es reicht schon, wenn er mit seinem Klub der Fußball-Bundesliga Spannung beschert. Und schließlich: Von 37 Herbstmeistern hatten am Ende immerhin 26 die Nase vorn.

Dass diese Saison spannend werden würde, war nicht zu erwarten. Hatten nicht die Experten einen Alleingang des FC Bayern vorausgesagt, ohne sich dabei weit aus dem Fenster lehnen zu müssen? 1999 gingen die Bayern mit 15 Punkten Vorsprung ins Ziel, zuletzt konnten nur die Leverkusener mithalten. Diesmal war es bislang alles ganz anders: Mal waren die Bayern vorn, mal Leverkusen, mal Hertha, mal Schalke. Das spricht für Ausgeglichenheit. Nicht unbedingt für Klasse in der breiten Spitze. Nach dem massenhaften Ausscheiden deutscher Klubs im Uefa-Pokal wurden jene kleinlaut, die das Scheitern Leverkusens und des HSV in der Champions League noch als Betriebsunfall angesehen hatten. Den Ton in Europa geben derzeit andere Verbände an. Auch auf Vereinsebene.

Hertha fehlten in San Siro nur drei Minuten, um im mit Inter Mailand eine europäische Größe auszuschalten. Dass die Berliner auf nationaler Ebene einige Zeit ganz obenauf waren, lag an besagter Ausgeglichenheit. Derzeit wirft sie ihre Inkonstanz zurück, aber vor der sind auch die anderen nicht gefeit. Wie Leverkusens, das als Tabellenführer beim Schlusslicht Bochum verlor.

Doch Hertha BSC ist eben noch nicht so weit, kann es auch noch nicht sein. Es war keine Koketterie, dass die Vereinsoberen in besseren Zeiten Vorschußlorbeeren strikt zurückwiesen. Wie recht sie hatten, zeigt sich jetzt.

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