Sport : Im Spiegel des Tages: Galopp in die falsche Richtung

Ingo Wolff

Hoppegarten hat ein Problem. Es liegt zu weit im Osten - jedenfalls für Pferderennen. Da ist sich Achim Türken ganz sicher. Der Mann muss es wissen. Seine Familie besitzt eines der größten Möbelhäuser Berlins und kennt die reiche Klientel. Die wohnt aber unglücklicherweise in den Villen im Westen und damit mindestens eine Stunde von Hoppegarten entfernt. Und die bleibt lieber daheim, statt im fernen Osten zu zocken. Genau das Geld braucht aber die Rennbahn zum Überleben. Eine einfache Entschuldigung für die wirtschaftliche Misere. Das findet auch der Union-Klub und sucht erst gar nicht nach einer anderen. Bekenntnisse zu eigenen, gar strategischen Fehlern sind dem Betreiber der Rennbahn fern.

Damit sind wir auch schon beim anderen Problem, das die Rennbahn hat. Es ist das Präsidium des Union-Klubs. Betrachtet man allein das Handeln und Reden des Vorstands des Rennbahnbetreibers, dann fühlt man sich an Loriot erinnert. Keiner weiß, wo sie laufen und schon gar nicht wohin. Nur eines scheint bei der Konfusion sicher: Der Weg führt nicht ins Ziel. Inzwischen besteht nur noch Hoffnung auf Sponsoren wie Achim Türken, der Rennen in Hoppegarten trotz allem unterstützt.

Zuschauer werden kaum noch angesprochen und wenn, dann mit antiquierten Kampagnen. Ein richtiges Rahmenprogramm bleibt zum Beispiel tabu. Nur ehrlichen Sport wollen sie bieten. Dass dieser Sport in Deutschland immer weniger Leute interessiert, haben die Unioner nicht mitbekommen. Wie auch, wenn man sich nur auf Nebenschauplätzen rumtreibt - wie bei dem Übernahmevesuch des Geländes von der Treuhand, ohne eigentlich Geld zu besitzen. Einige Akteure wurden dabei sogar ganz vergessen. So informierte der Klub die Presse eiligst vom Lizenzentzug des Verbandes und den damit verbundenen Absagen von drei Renntagen. Die Trainer erfuhren dies nicht. Inzwischen versucht es Präsident Karl-Heinz Oehler mit möglichst umfassender Aufklärung. Vergisst dabei aber einiges. So erklärt er die übriggebliebenen Renntage für gesichert. Dass der Union-Klub noch an den geforderten hohen Bürgschaften beim Verband für die Rennen bastelt, erwähnt er nur beiläufig. Diese Summen im sechsstelligen Bereich hat er offenbar aus dem Blick verloren. Die Mitstreiter verstehen das Handeln des amtsmüden Präsidenten wohl auch nicht mehr. Sie verziehen bei seinen Aussagen nur noch das Gesicht oder erzählen hinterher das Gegenteil. Der Kampf um seine Nachfolge im Sommer hat längst begonnen.

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