Sport : Im Spiegel des Tages: Geduldig? Seriös? Professionell?

Sven Goldmann

Einmal im Jahr, meist am ersten November-Wochenende, wird in Stuttgart, München oder Hannover der Deutschland-Cup ausgespielt. Obwohl die sportliche Bedeutung bescheiden ist, erfreut sich das Turnier in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) großer Beliebtheit. Besonders bei den Klubs, die sich das erste Saisonviertel ein wenig anders vorgestellt haben und korrigierend eingreifen wollen. Ein spielfreies Wochenende ermöglicht es ihnen, sich weitgehend geräuschlos von einem erfolglosen Trainer zu trennen, ein paar Tage in die Suche nach einem Nachfolger zu investieren und diesem die Gelegenheit zu geben, seine neue Mannschaft kennen zu lernen.

So etwa haben es die Berlin Capitals gehalten. Als die am 7. November Michael Komma vor die Kabinentür setzten, ließ sich daran manches aussetzen, nicht aber das Datum. Der Deutschland-Cup gab der Mannschaft Zeit zur Orientierung, und prompt besiegten die Capitals im ersten Spiel unter ihrem neuen Trainer Chris Valentine den Deutschen Meister München.

Bei der lokalen Konkurrenz in Hohenschönhausen sieht das ein wenig anders aus. Dass die Eisbären mit Glen Williamson nicht so richtig glücklich werden würden, hatte sich früh abgezeichnet. Liebend gern hätten sie den Kanadier schon Anfang Oktober entlassen, durften aber nicht, weil der Team-Eigner im fernen Denver mit Geduld und Seriosität glänzen wollte. Als dann auch noch die Deutschland-Cup-Pause ereignislos verstrich, da glaubten auch Williamsons schärfste Kritiker, die Eisbären würden eine Saison ohne Erfolg zugunsten einer langfristigen Planung in Kauf nehmen.

Es war dann, wie so oft im deutschen Eishockey, eine einzige Niederlage, die alles über den Haufen warf. Nach dem 5:8 am Dienstag in Augsburg und zwei Nachtsitzungen wurde Williamson gestern beurlaubt und davon exklusiv über eine Boulevardzeitung informiert. Seine Nachfolge tritt ein Nachwuchstrainer an, der noch nie allein verantwortlich in der DEL gearbeitet hat. Es geschah dies am Vorabend (!) des Berliner Lokalderbys, eine Woche nach (!!) dem Deutschland-Cup. Das wirkte weder geduldig noch seriös. Und professionell schon gar nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben