Sport : Im Spiegel des Tages: Gegenschlag - verbal und deftig

Klaus Rocca

Jetzt wissen wir es: Der Sohn von Uli Hoeneß hat zum ersten Male seit fünf Jahren Pickel bekommen. Nein, nicht die Pubertät ist dran schuld. Der Hoeneß-Filius ist ein Opfer der Attacken gegen den Senior. Nachzulesen beim Interview mit dem Bayern-Manager in der gestrigen Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung".

Die Anfeindungen, Mord- und Bombendrohungen im Zusammenhang mit dem "Fall Daum" sind Hoeneß offenbar mächtig an die Nieren gegangen. Wie sonst ist sein jetziger Rundumschlag zu verstehen, bei dem er Gott und die Welt verdammt. Genauer gesagt: Reiner Calmund, Willi Lemke, Paul Breitner, Herta Däumler-Gmelin und sogar Franz Beckenbauer, auch die Medien. Calmund, mit dem er befreundet war und dem er noch kürzlich beim so genannten Krisengipfel in Frankfurt die Hand geschütttelt hatte, ist für Hoeneß "nicht mehr existent", mit dem früheren Manager-Kollegen Lemke möchte er gleichfalls "nie mehr etwas zu tun haben", von Breitner ist er "total enttäuscht", der Justizministerin unterstellt er Profilsucht, den Medien "Willkür". Und Beckenbauer wirft Hoeneß vor, er habe mit der "Übernahme des Falschen noch zusätzlich Öl ins Feuer gegossen".

Der Seitenhieb gegen Beckenbauer ist verständlich. Schließlich eierte der Kaiser in bekannter Manier rum, sagte heute das, morgen das. Die Doppelfunktion DFB-Vizepräsident/Bayern-Präsident machte es ihm sicher nicht einfacher. Doch Beckenbauer machte nie den Eindruck, als würde er im Schweigen die bessere Lösung suchen. Konnte er wohl auch nicht bei seinem bekannten Sprachrohr, dem Blatt mit den großen Buchstaben.

Vielleicht hat Hoeneß jetzt überzogen, wenn er behauptet, man wolle ihn vernichten. Sein Groll ist nachzuvollziehen. Von allen Seiten war ihm vorgeworfen worden, er habe behauptet, Daum habe Kokain konsumiert. Dass dabei mit Bedacht Zitatfälschung gang und gäbe war, kam nicht von ungefähr. Schließlich polarisiert kein anderer Bundesligaklub die Massen so sehr wie der FC Bayern. Und wer die Leute von der Isar eben nicht mag, dem ist jede Gelegenheit willkommen, draufzuschlagen.

Uli Hoeneß, dem man mindestens Ungeschicklichkeit in der Affäre um Daum vorwerfen muss, hat nun zurückgeschlagen. Nur verbal, aber deftig. Es wird nicht lange dauern, bis die Schlacht mit Worten fortgesetzt wird.

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