Sport : Im Spiegel des Tages: Große Kanonen für ganz kleine Spatzen

Frank Bachner

Schon toll, wenn man so einen Vorzeigeathleten hat. Der steht dann für Erfolg und Ausstrahlung und spielt perfekt die erwünschte Rolle: als Vorbild. Jahrelang war Dieter Baumann dieser Charming-Typ, durchaus geschäftstüchtig, aber auch einer, der Leute an sich binden konnte. Ein Botschafter des Fair-Play und des Anti-Doping-Kampfes. Gern spannte auch der Deutsche Sportbund (DSB) Baumann ein als Zugpferd im Ringen um sauberen Sport. Problematisch, auch für den DSB, wäre es nur geworden, wenn Baumann plötzlich als der große Lügner entlarvt worden wäre. Nun ist Baumann zwar in einen mysteriösen Dopingfall verwickelt, wurde aber, auf der Basis deutschen Rechts, national freigesprochen. Der Weltverband kassierte dieses Urteil zwar, allerdings unter fragwürdigen Umständen.

Plötzlich aber schwingt sich der DSB zum Missionar auf und rollt große Kanonen für ganz kleine Spatzen auf den Hof. Baumann sollte in Tübingen bei einem schlichten "Trimm-Trab ins Grüne", veranstaltet vom Deutschen Sportbund, mitlaufen. Auf Handzetteln und Flugblättern wurde mit ihm geworben, und das war dem DSB zu viel. Gestern entzog der Verband den Tübinger Organisatoren die Erlaubnis zur Ausrichtung des Volkslaufes. Offizielle Begründung: Baumann polarisiere, und man könne keinen Läufer präsentieren, der nicht einmal bei Olympia habe starten dürfen.

Das soll wohl eine Demonstration entschlossenen Anti-Doping-Kampfes sein - und provoziert doch nur die Frage: Wem nützt das? Die Diskussion hat zumindest einer nachvollziehbar kommentiert: der Breitensportwart des württembergischen Verbands. Er trat zurück.

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