Sport : Im Spiegel des Tages: Harmonische Unruhe

Benedikt Voigt

Wer Harmonie besichtigen will, der sollte die Homepage www.vfbstuttgart.de besuchen. Dort geht der abstiegsbedrohte Bundesligist der Frage nach, wie die Stimmung in den eigenen Reihen ist. Als Kronzeuge antwortet Ralf Rangnick: "Die Stimmung ist gut. Alle sind ein wenig angespannt, denn sie sind heiß auf das erste Spiel am Wochenende in Leverkusen." Weil aber ein Trainer nicht zur Mannschaft gehört, wird der Wahrheitsgehalt dieser Aussage an einem Spieler überprüft. Also Heiko Gerber, wie ist die Stimmung? "Die Stimmung ist eigentlich gut, ein wenig angespannt, denn wir sind heiß auf das Spiel gegen Leverkusen." Kann es einen harmonischeren Klub geben?

Es kann. Eigentlich ist der Verein für Bewegungsspiele von Harmonie und Eintracht mindestens so weit entfernt wie Stuttgart von Frankfurt. In der vergangenen Woche feuerte der Klub seinen Sportdirektor Karl-Heinz Förster, nun mehren sich die Anzeichen, dass auch der Vertrag von Hansi Müller nicht verlängert wird. Der schöne Hansi galt eigentlich als Favorit für die Nachfolge Försters. Im Umfeld des Vereins wird ihm nun fehlende Qualifikation vorgeworfen. Nachdem auch noch Wunschkandidat Jürgen Klinsmann höflich, aber bestimmt absagte, bekundeten Rolf Rüssmann und Guido Buchwald Interesse am Posten als VfB-Sportdirektor. Jener Rüssmann übrigens, der Borussia Mönchengladbach als Manager in die Zweite Liga führte, und jener Buchwald, der den Karlsruher SC als Sportdirektor in die Dritte Liga geleitete. Es gibt weitere Gründe zur Unruhe: Vorletzter Tabellenplatz, 30 Millionen Mark Schulden, bevorstehende Spielerverkäufe und ein Trainer, dessen Entlassung bei Intertops mit einer 25:10-Quote geringen Gewinn verspricht.

Aber davon abgesehen, ist die Stimmung gut. Alle sind ein wenig angespannt, denn sie sind heiß auf das Spiel gegen Leverkusen.

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