Sport : Im Spiegel des Tages: Im Zweifel gegen den Angeklagten

Kerstin Hebeler

Wenn es um Jonathan Akpoborie geht, dann bleibt in diesen Tagen nur Verwirrung. Irgendwann demnächst wird Jonathan Akpoborie vom Bundesligisten VfL Wolfsburg wieder in Deutschland sein. Zurück von seiner Reise nach Westafrika, wo er sich bemüht, Beweise für seine Unschuld im Fall eines möglichen Kindersklaventransportes auf seinem Schiff Etireno zu sammeln. Doch fraglich ist, ob die ihm dann noch viel nützen werden.

Denn im Gegensatz zu seinem Fußballklub VfL Wolfsburg scheint der sponsorende Automobil-Konzern VW dem Spieler nicht mehr ermöglichen zu wollen, seine Unschuld darzulegen. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und des Sport-Informationsdienstes (sid) übt VW hinter den Kulissen massiven Druck auf den Verein aus, um den sofortigen Rauswurf des 32 Jahre alten Stürmers zu erreichen. Denn der Konzern, der sich in zahlreichen Projekten sozial engagiert, möchte auf keinen Fall mit dem Vorwurf der Kindersklaverei in Verbindung gebracht werden.

Dieser Wunsch ist verständlich. Aber, ist Akpoborie schon verurteilt? Weiß der Automobil-Konzern mehr und sagt nichts? Oder handelt es sich um eine vorschnelle Reaktion, eine hysterisch anmutende Vorverurteilung? Ein solche Reaktion wäre ein klarer Verstoß gegen rechtsstaatliche Prinzipien, die da lauten, im Zweifel für den Angeklagten zu sein und von seiner Unschuld auszugehen. Wenigstens der Verein hält sich daran. Aber Volkswagen gibt das Geld und hat das Sagen. Es bleiben viele Fragen. Nach Lage der Dinge, hat zumindest Akpoborie keine Chance, sie zu beantworten. Fair ist das nicht.

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