Sport : Im Spiegel des Tages: Kein Schatten für den Star

Hartmut Moheit

Für wen gibt es die Formel 1? Für die Fans? Ein wenig, denn jeder Film braucht Komparsen. Sie gehören dazu, ohne dass sie ihren Einfluss geltend machen können. Dafür tragen sie in diesem Geschäft auch keine Verantwortung. Anders die Hauptdarsteller, im Falle der Formel 1 die hochbezahlten Fahrer, Angestellte großer Konzerne. Sie haben dafür zu sorgen, dass Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe zu Gewinnen führen. Die Wege zum Erfolg sind verschieden. Aber für jedes Team gilt: Schon der Zweite ist ein Verlierer.

Bei Ferrari ist somit Rubens Barrichello ein Verlierer. Der Brasilianer muss um seine Vertragsverlängerung bangen, schon deshalb bleibt ihm auf der Strecke kaum Spielraum für eigene Entscheidungen. Barrichello hat aber zudem noch das Pech, neben - nein, hinter - dem Superstar der Szene zu agieren. Und dieser Superstar heißt Michael Schumacher. Barrichello ist lediglich zweite Wahl bei Ferrari und das bekam er selten so deutlich aufgezeigt wie am Sonntag beim Großen Preis von Österreich - da musste er Schumacher auf Geheiß der Teamleitung noch auf der Zielgeraden vorbeilassen.

Anders läuft es bei Ferraris Hauptkonkurrenten McLaren-Mercedes. Dort greift das Prinzip der Teamorder erst dann, wenn sich ein Fahrer klar als Nummer eins positioniert hat. Der sportliche Charakter von Autorennen wird nicht schon nach dem ersten Saisondrittel ad absurdum geführt. Diese Philosophie prägte die Zusammenarbeit der Fahrer Mika Häkkinen und David Coulthard vom ersten Tag an. Und dieses Denken macht den feinen Unterschied zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes aus.

Wem hätte es geschadet, wenn Michael Schumacher das zwangsweise überreichte Geschenk von Barrichello nicht angenommen hätte? Schumacher, bis dahin Dritter, hätte zwei Punkte verloren, aber viel Sympathie gewonnen. Er hätte damit Größe gezeigt. Doch darauf legt Schumacher keinen Wert. Und Ferrari schon gar nicht. Für die italienischen Strategen ist es ausschließlich der Name Schumacher, mit dem Gewinne erwirtschaftet werden können.

Dafür gibt es die Formel 1.

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