Sport : Im Spiegel des Tages: Man muss auch jönne könne

Helmut Schümann

Es ist an dieser Stelle wohl des öfteren schon die Rede gewesen von der Fortuna. Erstaunlich oft, handelt es sich bei der Fortuna aus Düsseldorf doch um einen Drittligisten mit starkem Drang in die vierte Liga. Wir können auch eher nicht damit kommen, dass es sich dabei ja auch um einen Deutschen Meister handelt, und um einen Pokalsieger ebenfalls. Denn, ehrlich gesagt, Meister wurde die Fortuna 1933, und Pokalsieger 1979 und 1980. Nennen wir es also Melancholie, Sentimentalität, dass die Fortuna in den Spiegel des Tages rückt.

Gestern hat Fortuna im Trainingslager von Albufeira in Portugal ihren Trainer Aleksandar Ristic entlassen. Was nur insofern erstaunlich ist, dass sich Fortuna von seinen ungefähr 176 Zuschauern pro Spiel ein Trainingslager an der Algarve leisten kann. Aber man ist da am Rhein nicht so pingelig, sondern eher von Macht und Herrlichkeit der Fortuna überzeugt. Im Prinzip ist das mit der Herrlichkeit der Fortuna ja auch richtig, es wird nur derzeit etwas überdeckt durch die bisher erst 15 gewonnenen Punkte. Möglich gewesen wären 57, Fortuna hat also eine Menge verschenkt - man muss eben auch jönne könne, wie einer der rheinischen Imperative lautet. Nur wurde der Fortuna diese Großzügigkeit mit dem vorletzten Platz gedankt, es gibt eben keinen Fußball-Gott.

Wie es dazu kommen konnte, dass nun auch Ristic gehen muss? Obwohl er Fortuna doch schon zweimal in die Bundesliga zurückgeführt hat? Vorderhand war es eine Spielerrevolte, angezettelt von solch mediokren Kickern wie Marcus Marin und Rudi Zedi. Die Wahrheit aber liegt viel tiefer, man gelangt zu ihr, wenn man bis ins Jahr 1963 hinabtaucht und dann auf Bruno Recht stößt. Dieser Bruno Recht war seinerzeit Präsident der Fortuna und hatte den Auftrag einen jungen, sehr talentierten Junioren-Nationalspieler unter Vertrag zu nehmen. Weiß der Himmel, warum Recht nicht zur Verabredung mit dem Talent erschien, verflucht sei er dafür. Der junge Mann unterschrieb dann ein paar Tage später bei Borussia Mönchengladbach, es war Günter Netzer. Doch, bestimmt, da fing der Niedergang der Fortuna an. Seitdem kann man von der Fortuna fürs Leben lernen: nämlich das Verlieren. Es hört nicht auf.

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