Sport : Im Spiegel des Tages: Mehmet Scholl und der Papst

Robert Ide

Irgendwie haben wir es schon immer gewusst: Fußball ist eine gute Sache. Jetzt wird unsere Überzeugung von höchster Stelle beglaubigt, nämlich von Papst Johannes Paul II. Der erhofft sich vom Fußball eine Stärkung der moralischen Werte auf der Welt. Ja, Sie lesen richtig. Der Papst meint tatsächlich jene Sportart, die durch harte Fouls und prügelnde Fans immer wieder ins Gerede kommt. Der Papst lässt sich auch in diesem Fall sein Weltbild nicht kaputtmachen. Bei einem Empfang von Spitzenfunktionären des Fußball-Weltverbands Fifa sagte er, dass der Sport "negative menschliche Impulse zum Guten verwandelt". Der Pontifex, der in seiner Jugend selbst als Torwart auf dem Platz stand, hat sich für seine moralische Botschaft die richtige Gesellschaft ausgesucht. Das beweisen drei Meldungen, die am Montag über den Ticker liefen.

Meldung eins: Zwei Fußball-Profis des spanischen Erstligisten Osasuna sind nach einem Punktspiel bei RSC Mallorca wegen einer Rangelei in einer Kneipe festgenommen worden. Alex Fernandez und Alfredo Sanchez hatten sich in einer Bar in Palma de Mallorca mit einem Kellner angelegt und waren auch durch zwei herbeieilende Polizisten nicht zu beruhigen.

Meldung zwei: Die israelische Polizei ermittelt gegen sieben Mitglieder der israelischen Junioren-Nationalmannschaft, weil sie am Vorabend eines Länderspiels gegen Bosnien am 11. Oktober eine Sex-Orgie gefeiert hatten. Dabei sollen die sieben Nachwuchs-Kicker Sex mit einem 18 Jahre alten Mädchen gehabt haben. Die junge Frau spricht inzwischen von Vergewaltigung.

Meldung drei: Bayern Münchens Profi Mehmet Scholl wurde bei einem Barbesuch von einer unbekannten Frau geohrfeigt. Die Frau habe laut Scholl erwartet, dass er zurückschlage. Erst vor wenigen Monaten war sein Münchner Arbeitskollege Stefan Effenberg in einer Diskothek in ein Handgemenge verwickelt gewesen.

Ja, so ist das beim Fußball. Da geht es manchmal etwas deftiger zu. Doch der Papst, Ehrenmitglied bei Schalke 04, hat dafür sicherlich Verständnis. Er weiß, dass viele Spieler in der Kneipe erst einmal die "negativen menschlichen Impulse" sammeln müssen, die sie dann auf dem Platz "ins Gute verwandeln". Ärgerlich, dass Mehmet Scholl sich nicht an diese Taktik hielt: Er schlug nicht zurück.

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