Sport : Im Spiegel des Tages: Null-Null-Maier: Sag niemals Ski

Heinrich Geiselberger

Sollte Hermann Maier, Österreichern zufolge der größte lebende Österreicher, jemals damit aufhören, sein kleines Land als Ski-Rambo glücklich zu machen, braucht er sich um seine Zukunft nicht zu sorgen. Denn mit Arnold Schwarzenegger verbinden den Herminator nicht nur Spitznamensähnlichkeit und Statur. Spätestens seit der Ski-WM in Vail sind der Maurer aus Salzburg und der Bodybuilder aus der Steiermark befreundet. Und wenn der Platz als Äkschn-Hero frei wird, weil Schwarzenegger Gouverneur geworden ist, wird er den Ski-Hero in der Nachfolgefrage schon nicht übergehen. Falls Hollywood Maiers Vita nicht ohnehin verfilmt, wartet eine andere Paraderolle. Die Anforderungen an einen James-Bond-Bösewicht sind bekannt: Skifahren muss er können, kantig muss er sein und nach Möglichkeit Teutone. Zumindest für in europäischer Geographie möglicherweise nicht ganz so bewanderte Amerikaner erfüllt Maier also alle Kriterien. Und eine Reihe goldener Zähne würde ihm sicher auch ganz gut ins breite Beißwerk passen.

Doch aus St. Antoner Medaillen-Gold wird er sich die Prothesen vermutlich nicht mehr gießen lassen können. In Sachen Gold war er dieses Mal in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom Doppelnullagent, und bei den Herren steht nur noch der Slalom auf dem Programm. Ausgerechnet die einzige Disziplin, in der Maier nicht seit Jahren seriensiegt. Natürlich wären Silber und Bronze für jeden anderen ein Erfolg. Für Maier ist es, als müsste er statt seiner geliebten Kalbsschnitzel auf einmal Sojaburger essen.

Sogar ein nationales Heiligtum hat er damit in Gefahr gebracht: den Medaillenspiegel. In Österreich gibt es kein wichtigeres Stück Papier. Sogar die Deutschen waren für kurze Zeit vor den Ski-verrückten Nachbarn. Eine größere Schmach gibt es nicht. Mit den Abfahrtssiegen bei Damen und Herren haben sie die Verhältnisse vorerst zurecht gerückt. Doch wenn die Österreicher am Ende nicht an erster Stelle stehen, dann wäre das, als ob man den Amerikanern ihren "Terminator" wegnehmen würde.

"Ich komme wieder", hat Hermann Maier nach dem Rennen zwar nicht gesagt. Vielleicht aber sagt er es ja bald - in "Terminator IV".

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