Sport : Im Spiegel des Tages: Personenschutz

Sven Goldmann

Zeiten flächendeckender Verkabelung sind auch Zeiten medialer Belanglosigkeiten. Wir sind live dabei, wenn Zlatko die Klospülung betätigt, Hapoel Nikosia gegen Ofi Kreta kickt und der Bundestag in dritter Lesung über das vierte Rentenanpassungsgesetz debattiert. Aber wenn wirklich mal etwas interessantes passiert, ist das Fernsehen nicht dabei. So wie am Dienstagabend, als zwischen den Mannheimer Adlern und den Berlin Capitals die Fäuste flogen. Nicht, wie beim Eishockey üblich, zwischen den Spielern, sondern zwischen den Trainern. Das ist neu und wäre durchaus eine Übertragung wert gewesen.

Bei der Klärung der Schuldfrage gibt es höchst unterschiedliche Ansätze, was nicht weiter ungewöhnlich ist, wenn es keine elektronischen Beweise gibt. Die Mannheimer sagen, der Berliner Pavel Gross habe auf ihren Bill Stewart eingeschlagen, die Capitals sehen das ein wenig anders. Ein Kamerateam von Rhein-Neckar-Fernsehen war zwar im Stadion, fing aber keine Bilder ein, was der zuständigen Kamerafrau nur bedingt anzulasten ist, weil sie im Gewühl streitender Eishockeypieler über den Haufen gerannt wurde.

Nun ist einer breiten Öffentlichkeit ohnehin schwer zu vermitteln, warum Eishockeyspieler bei der Ausübung ihres Berufs machen dürfen, wofür sie in jeder anderen Sportart lebenslang gesperrt und im Zivilleben ins Gefängnis gesteckt würden. Eishockeyfreunde erklären das immer mit einem sehr viel höheren körperlichen und emotionalen Niveau, und nach dem Spiel sei ohnehin alles vergessen. Doch dieses Spiel von Mannheim wird so leicht nicht vergessen werden, ganz gewiss nicht bis zum Freitagabend, wenn sich die Mannschaften aus Berlin und Mannheim zum nächsten Play-off-Duell treffen. Die Mannheimer haben Personenschutz angefordert. Schutz vor wem? Das Publikum der Berlin Capitals gilt als das fairste in der Deutschen Eishockey-Liga, es gibt keinen einzigen aktenkundigen Vorfall, der es als Gefahr für Leib und Leben gegnerischer Fans, Spieler oder Trainer ausweist.

Es bleibt der Eindruck, dass die Mannheimer ein schlechtes Gewissen plagt. Der offizielle Schiedsrichterbeobachter bestätigt nämlich die Berliner Version. Sollte der Mannheimer Trainer tatsächlich die Schlägerei angezettelt haben, dann muss in der Tat Personenschutz her. Schutz für die Sportart Eishockey vor der Person Bill Stewart.

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