Sport : Im Spiegel des Tages: Poschmann und der Problemfall IAAF

Frank Bachner

Keine Frage: Wolf-Dieter Poschmann ist für die Sternstunden des kritischen Sportjournalismus im ZDF zuständig. Schon bei der Daum-Pressekonferenz trieb er den Kokain-Konsumenten listig mit einer scheinbar verständnisvollen Frage derart in die Ecke, dass der Trainer eigentlich nur mit einer Selbstmitleid-Replik hätte antworten können. Gott, wie peinlich hätte Daum da gewirkt. Verbal geradezu artistisch entging Daum aber noch der Falle. Und im jüngsten "Sportstudio" bohrte Poschmann im Fall Lobinger beim Leichtathletik-Funktionär Clemens Prokop derart hartnäckig, dass zum Schluss jedem klar war, dass der deutsche Verband unzuständig war. Leider blieb Poschmann dann keine Zeit mehr, den IAAF-Funktionär Prokop zu befragen. Prokop kam gerade noch mal davon. Sonst hätte er erzählen müssen, gnadenlos. Stattdessen, danke, zurück ins Studio.

Dem Weltverband nützt das freilich nichts. Die Kratzer in seinem Image sind jetzt noch eine Spur deutlicher zu sehen. Der Fall Lobinger beweist erneut, dass die Regeln des Verbands nach Gutdünken ausgelegt werden. Da wird die Strafe des Kokain-Konsumenten Javier Sotomayor mit einer kabarettreifen Begründung massiv reduziert ("hat die Anti-Doping-Politik weitergebracht"), während gleichzeitig ein rechtmäßiger nationaler Freispruch von Dieter Baumann kassiert wird. Dass Lobingers Name unter die Geheimhaltung fiel, nährt den Verdacht, dass die IAAF ahnte, es könnte Probleme mit der Urinprobe geben. Fragen zu diesem Thema wird sie selbstverständlich, wenn möglich, vermeiden. Da hilft nur die harte Tour. Wolf-Dieter Poschmann, übernehmen Sie.

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