Sport : Im Spiegel des Tages: Spanischer Stier, Spaghetti und BSE

Benedikt Voigt

Die Skepsis in England war groß, als Sven-Göran Eriksson vor sechs Wochen seinen Job als englischer Fußball-Nationaltrainer antrat. Ausgerechnet ein Schwede soll das Mutterland des Fußballs zu neuen Titeln führen? Selbst nationale Heroen wie Erikssons Vorgänger Kevin Keegan und Glenn Hoddle sind an dieser Aufgabe gescheitert. Doch seine professionelle Arbeitsweise und seine weltmännische Art überzeugten die Journalisten schon bald. Spätestens seit dem 3:0-Sieg am Mittwoch im Freundschaftsspiel gegen Spanien hat die englische Presse einen neuen Liebling gefunden. "Svensationell" titelte die "Daily Mail", der "Sun" fiel immerhin noch "Svengland" ein. Sven-Göran Eriksson hat alles richtig gemacht.

Vor allem, weil er Spanien zum ersten Testspiel-Gegner kürte. Das hat vor ihm schon einmal ein gewisser Rudi Völler getan, als dieser noch Interimscoach der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war. Mit den gleichen Folgen. Deutschland gewann bei Völlers Einstand gegen hilflose Spanier 4:1, die deutsche Presse überhäufte den neuen Mann an der Seitenlinie mit Lob. Es setzte eine beispiellose Ruudi-Manie ein, wegen der, wenn man so will, sogar der designierte Nationaltrainer Christoph Daum auf die Nase fiel. Es wird langsam auffällig, wie leicht die Spanier es angehenden Auswahltrainern machen. Das sorgt für Freude in den Ländern der siegreichen Gegner, nur in Madrid und Barcelona findet man das nicht so lustig. "Eine Stufe tiefer als Deutschland", urteilte "El Periodico". Ein Urteil, das nach dem unattraktiven 0:1 der deutschen Nationalelf in Frankreich nicht besonders nett ist. "In BSE-Zeiten ist auch der spanische Stier deprimiert", klagte "El Mundo Deportivo".

So gesehen muss BSE auch an den italienischen Spaghetti nicht spurlos vorbei gegangen sein. Italien steht seit Mittwoch nämlich ebenfalls vor einer Depression, weil Giovanni Trapattoni sein erstes Spiel als Nationaltrainer in Rom 1:2 verloren hat. Als Gegner hatte er Argentinien gewählt. Diesen Fehler muss er nun in den nächsten Testspielen ausbügeln. Spanien böte sich an. Von Frankreich sollte er die Finger lassen.

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