Sport : Im Spiegel des Tages: Spiel doch mit den Schmuddelkindern

Markus Hesselmann

Bayern, Hertha, Schalke, Dortmund, der Kampf um die Meisterschaft - alles gut und schön. Doch viele Fans im Osten Deutschlands interessiert eine Nachricht an diesem Spieltag viel mehr als das Gerangel um die besseren Plätze: Der FC Hansa Rostock bleibt erstklassig. Acht Punkte Vorsprung bei noch vier ausstehenden Spielen, das muss reichen. Noch nie seit Einführung der Dreipunkteregel vor fünf Jahren ist eine Mannschaft mit 39 Punkten abgestiegen.

Der Zeitpunkt der Nachricht kommt überraschend. Wir hatten uns schon darauf eingestellt, dass Hansa den Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag spannend macht. Jetzt ist Hansa vielleicht nicht mehr so unterhaltsam, dafür aber in der Bundesliga etabliert. Und auch der andere Erstligist aus den neuen Ländern kommt voran. Energie Cottbus, einst das Schmuddelkind aus tiefster Ost-Provinz mit den braunen Fans und dem Stasi-Trainer, taugt inzwischen für Kanzlerbesuche. Mit dem Gespür für die große Geste zum richtigen Zeitpunkt hat sich Gerhard Schröder gestern den roten Energie-Schal umgelegt und sich auf den Weg nach Cottbus zum Spiel gegen Unterhaching gemacht. Geschenkt, dass bei dem Gegner die Schar der Fans am kleinsten ist, die der Kanzler mit seiner Parteinahme verprellt.

Kanzler hin oder her: Energie hat das wichtige Spiel gegen die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf gewonnen. Der Aufsteiger kann es aus eigener Kraft schaffen. Wer hätte das nach dem schwachen Start des Teams von Eduard Geyer für möglich gehalten? Und Cottbus tritt ja auch noch bei den geretteten Rostockern an ... Drei sichere Punkte? So weit muss die Solidarität im Osten auch wieder nicht gehen.

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