Sport : Im Spiegel des Tages: Strahlemann für Straßenkämpfer

Helmut Schümann

Viel weiter wird Dirk Nowitzki in diesem Jahr wohl nicht mehr kommen. Das Halbfinale der amerikanischen Basketballmeisterschaft hat er erreicht mit seinen Mavericks aus Dallas, nun wartet das beste Vorrundenteam, die San Antonio Spurs. Er muss auch nicht weiter kommen, er hat schon jetzt auf ganzer Linie gewonnen. Und mit ihm die deutsche Basketball-Szene.

Nowitzki ist der zweite deutsche Spieler, der im US-Basketball Erfolge feiern kann. Aber eigentlich ist er der erste. Vorgänger Detlef Schrempf, der 1996 für Seattle sogar im Finale stand - dort verlor - und nun seine Karriere beendet, taugt nur bedingt als Strahlemann der deutschen Fangemeinde. Schrempf ging, als Basketball gerade erst begann, in den Problemzentren von Berlin, Hamburg oder Köln Lieblingsbeschäftigung der dort lebenden Jugendlichen zu werden und dadurch in den Boom zog. Schrempf spielte seit 1992 nicht mehr für die Nationalmannschaft, ist in den USA zur High School gegangen, spricht inziwschen Deutsch nur noch mit Akzent - Schrempf ist Ami.

Nowitzki ist Franke, spielt für die deutsche Auswahl, ist Identifikationsfigur. Er hat den Sprung geschafft vom hiesigen Zweitligisten direkt hinein in die NBA und dort sogar zu einem ihrer Helden. Das mag zurzeit relativ einfach sein. Die NBA kränkelt ein wenig, es fehlen ihr nach dem Rücktritt von Michael Jordan die schillernden Figuren. So sehr, dass im ersten Jahr nach Meister Jordans Rücktritt 1999 in den Staaten die Einschaltquoten um 23 Prozent zurückgingen und in diesem Jahr weitere drei Prozent umschalteten, wenn Basketball übertragen wurde. So sehr, dass die Ankündigung von Jordan, er werde zu 99,9 Prozent nicht wieder spielen, einen medialen Hype ausgelöst hat, weil ja doch Hoffnung liegt in den verbleibenden 0,1 Prozent.

Hierzulande erfreuen sich die Fernseh-Übertragungen wachsender Beliebtheit. Auch wegen Nowitzki. Endlich ist da einer in der besten Basketball-Liga der Welt, dem man nacheifern kann. Die Vereinnahmung der anderen Heroen der NBA, all die den Ghettos entwachsenen schwarzen Stars, war ja immer schwierig, zum Beispiel deswegen, weil es in Deutschland keine Ghettos gibt und weil es vielleicht auch ganz gut ist, wenn deren Lebensläufe nur im modischen Outfit nachgezeichnet werden. Nowitzki hat keine düstere Kindheit, muss sich auch nicht mit der mitunter arg strapazierten Aura eines Streetfighters umgeben - er spielt nur mit den Schmuddelkindern und hat sich gegen die behauptet. Das wird seine Anhängerschar und die des Basketballs überhaupt in Deutschland vergrößern. Es trifft sich zufällig ganz gut, dass an diesem Wochenende in Aachen und Eschweiler die diesjährige Streetball-Tour mit 35 Sommerturnieren in ganz Deutschland startet. Und weil diese Tour diesmal im Zeichen des "Bündnisses für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt" steht, ist Nowitzkis Einzug ins amerikanische NBA-Halbfinale eine richtig gute Sache.

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