Sport : Im Spiegel des Tages: Unterm Stammtisch

Benedikt Voigt

Jetzt hat es sich bis zur Drogenbeauftragten der Bundesregierung herumgesprochen. Bei Christoph Daum scheine es um eine längerfristige Gefährdung zu gehen, diagnostizierte Christa Nickels von den Grünen. Ob die Dame jemals mit dem Gefährdeten gesprochen hat, ist nicht bekannt, aber das interessiert in diesen Tagen nur die wenigsten. Die Öffentlichkeit hat sich eine Meinung über Daum gebildet, und die ist, gelinde gesagt, nicht gut. Ein positiver Drogentest genügte, um ein erbarmungsloses Feuer auf denjenigen zu eröffnen, der im Sommer noch als Retter des deutschen Fußballs galt. Da kann Eberhard Daum noch so oft beteuern, dass ihm am Verhalten seines Bruders nie etwas aufgefallen ist, was auf Drogenkonsum schließen lässt. Da ist noch nicht einmal bekannt, ob sich Rückstände von Cannabis, Heroin, Ecstasy oder Kokain in der Haarprobe des ehemaligen Fußballtrainers befunden haben. Auch hat sich ein nicht unbeutender Zeuge noch nicht persönlich zu Wort gemeldet: Christoph Daum.

Aber das macht nichts, es gibt genügend andere, die nun etwas zu sagen haben. Jimmy Hartwig etwa, der bereits als Moderator einer Call-In-Show im Deutschen Sportfernsehen (DSF) bewiesen hat, dass es ihm leicht fällt, unter den Stammtisch zu kriechen. Dort findet sich auch Bernd Thränhardt, der sich mit der Aussage interessant machte, dass Daum ihm Schläger auf den Hals gehetzt habe. Der Bruder des Hochspringers Carlo Thränhardt war kurz nach der vermeintlichen Tat so betrunken, dass die Polizei seine Geschichte nicht ernstnahm. Wohl aber die "Bild-Zeitung", die gestern auch noch die türkische Kronzeugin Oya Asya Basarir auffuhr. Das Blatt fragt: "Warum bekam sie 60 000 Mark? Ließ sie wirklich sein Kind abtreiben? Verlor er wegen ihr die Meisterschaft?"

Die Antwort lautet: Wen interessiert das schon? Daum hat sich ins unterste Milieu begeben. Aber deshalb müssen ihm doch nicht alle dorthin nachfolgen.

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