Sport : Im Spiegel des Tages: Volleyball-Inflation in Deutschland

Ernst Podeswa

Seine Vorfahren zählten zu den Spitzen deutscher Militärstrategie. Davon muss bei Graf Werner von Moltke einiges hängen geblieben sein. Denn wie der Volleyball-Präsident eine sportpolitische Eroberung nach der anderen macht, ist bemerkenswert: Von 2001 bis 2003 gibt es in Deutschland eine nie erlebte Fülle von Volleyball-Großereignissen. Der 64-Jährige hatte allerdings strategisch die ideale Ausgangsposition für seinen Großangriff gewählt: Auf der MS Deutschland empfing er in Sydney den Weltpräsidenten Ruben Acosta (Mexiko). Den muss die prächtige Kulisse so beeindruckt haben, dass Moltke wenig Mühe hatte, ihm den (wirtschaftlich) lukrativen Standort Germany schmackhaft zu machen.

Das Rad, das Moltke seit seiner Amtsübernahme 1997 in der Randsportart Volleyball dreht, ist so gewaltig, dass altgedienten Funktionären mitunter schwindlig wird. "Erst begeistert er sich dafür, die Nationalspieler beim SC Charlottenburg zu versammeln, dann reizt ihn die große Bühne Herren-Weltliga", kommt Kritik aus dem SCC-Lager. Er wolle den zweiten Schritt vor dem ersten machen. "Falsch", sagt Moltke. Der Sponsor (Flugring Germania), der den SCC zwei Jahre mit je 250 000 Mark subventionierte, habe es sich anders überlegt. Zum Glück habe er ihn überreden können, das Sponsoring in der Weltliga (mit garantierten Fernsehzeiten) teilweise fortzusetzen. "Wir wollen den Boom von Sydney, wo wir mit Bronze im Beachvolleyball und dem sechsten Rang der Frauen bester Ballspiel-Verband waren, für eine noch stärkere öffentliche Wahrnehmung nutzen." Das scheint zu funktionieren, denn der Mitgliederzuwachs im DVV hält an.

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