Sport : Im Spiegel des Tages: Weltmeisterschaft ohne großen Wert

Jörg Wenig

Marion Jones, Maurice Greene und Cathy Freeman hatten lange vorher abgewinkt. Kein Interesse. Michael Johnson ist in seiner Karriere sowieso noch nie bei einer Hallen-Weltmeisterschaft an den Start gegangen. Etliche andere Stars fehlten ebenso. So waren die Titelkämpfe am zurückliegenden Wochenende in Lissabon zwar ein hübsches dreitägiges Sportfest, aber eben auch nicht mehr. Nur selten merkte man den entscheidenden Unterschied einer Weltmeisterschaft.

Das sportliche Niveau war insgesamt mäßig, etliche Leichtathletik-Nationen wie Großbritannien stellten nur kleine Teams. Und die Deutschen, deren schwaches Abschneiden eigentlich keine allzu große Überraschung war, befinden sich im Medaillenspiegel in guter Gesellschaft: Frankreich, Deutschland, Australien und Kenia belegen in dieser Tabelle mit zwei beziehungsweise lediglich einer Medaille die Ränge 24 bis 26.

Doch hatte man vor diesen Weltmeisterschaften von Lissabon wirklich etwas anderes erwarten können? Sicher nicht, denn der Termin war alles andere als günstig. Die vergleichsweise späten Olympischen Spiele von Sydney hatten zur Folge, dass viele große Sieger auf die Hallensaison komplett oder teilweise verzichteten. Und wenn diese Stars doch im Winter starteten, dann zumindest nicht mehr im März, wenn bereits die Saisonvorbereitung für den Sommer begonnen hat. Die Weltmeisterschaft im August in Edmonton genießt für die Athleten eindeutig Priorität.

So steckt der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) mit seiner Hallen-Weltmeisterschaft immer wieder in einem Dilemma. Dass sich am zweijährigen Rhythmus der Titelkämpfe vorerst nichts ändern wird, dürfte in erster Linie damit zu tun haben, dass den Sponsoren eine Plattform geboten werden muss. Immerhin verschiebt die IAAF mit ihrer neuen Führung unter Präsident Lamine Diack den Wettbewerb ab 2004 auf die geraden Jahre.

Dadurch könnten dem Weltverband und den Zuschauern zumindest die Nachwirkungen der Olympischen Spiele erspart bleiben. Doch das genügt noch nicht. Weitere Veränderungen sind notwendig. Andernfalls müsste man sich irgendwann die Frage stellen: Wozu sind sie überhaupt da, diese Hallen-Weltmeisterschaften?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben