Sport : Im Spiegel des Tages: Wenn die Alten sich vergessen

Klaus Rocca

Alter schützt bekanntlich vor Torheit nicht. Und Alter ist keine Garantie für Weisheit. Auch nicht im Fußball. Siehe Eduard Geyer und Werner Lorant. Der eine ist 56, der andere 52. Beide sind die Heißsporne in den Bundesligastadien. Gefürchtet von den Schiedsrichtern, Stammgäste bei der DFB-Sportgerichtsbarkeit.

Eduard Geyer durfte gestern wieder einmal Platz nehmen auf der Anklagebank. Um sich für seine Entgleisungen in Unterhaching zu verantworten. Wer wie Geyer beim DFB-Sportgericht fast aus- und eingeht, der weiß längst, wie er sich zu geben hat: zerknirscht und reumütig. Und um Verständnis für seine Reaktion bittend. Die Enge im Stadion, der verdreckte Trainerstuhl ("So etwas hätte ich meinem Gast nicht angeboten") - wer hätte da nicht mit ihm fühlen können. Nur, der Herr Geyer war in der Vergangenheit schon siebenmal der Trainerbank verwiesen und dreimal zu Geldstrafen verdonnert worden. Ein Wiederholungstäter also. Geyer kam mit 12 000 Mark Geldstrafe davon. Er finde das Urteil trotzdem hart, schließlich gehöre er nicht zu den Großverdienern der Bundesliga, kommentierte Geyer. Wer hätte da nicht Mitleid mit ihm.

Der Werner Lorant, der gehört natürlich auch zu jenen, die am Existenzminimum leben. Deshalb drohte er das letzte Mal, als ihm wieder einmal eine Geldstrafe bevorstand, er werde sein Traineramt aufgeben, wenn es dazu komme. Es kam dazu, doch Lorant blieb Trainer. So ernst müsse man das alles nicht nehmen, ließ er verlauten.

So ernst wird man auch Geyers Besserungsschwüre nicht nehmen müssen. Schon bald wieder wird er Coaching-Zone Coaching-Zone sein lassen, Schieds- und Linienrichter für das ganze Unheil dieser Welt verantwortlich machen. Daran wird auch Kotrainer Hagen Reeck nichts ändern können, der nun helfen soll, Geyers Temperament zu zügeln.

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