Sport : Im Spiegel des Tages: Zurück zu den Graswurzeln

Stefan Hermanns

Oft sind es nur Kleinigkeiten, die von großen Veränderungen künden. Leider merkt man dies erst, wenn sich die großen Veränderungen bereits vollzogen haben. Oder wenn sie gerade im Gange sind. So wie bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, deren Niedergang - das kann man nun zweifelsfrei feststellen - wohl unaufhaltsam ist. Aber große Veränderung? Na ja, "nichts Sensationelles" würde Rudi Völler wohl sagen, weil er in diesen Tagen zu fast allen Aufregern "nichts Sensationelles" sagt.

Es ist nicht der blamable Auftritt der Nationalelf gegen die Fußballweltmacht Albanien, der solchen Befürchtungen nun Gewissheit verleiht. Es sind vielmehr die kleinen Ereignisse am Rande, die belegen, dass Deutschland keine erstklassige Nationalelf mehr hat. Als die Nationalspieler am Montagmorgen zum ersten Mal nach ihrer Ankunft in Athen auf griechischem Boden trainieren sollten, mussten sie feststellen, dass dieser Boden schlichtweg unbespielbar war. Das angebliche "Stadion Vouliagmeni" (DFB-Programm) entpuppte sich als schlichter Dorfplatz und in einem Zustand, für den der Platzwart bei jedem deutschen Bezirksligisten die fristlose Kündigung erhalten hätte: In üppigen Büscheln wucherte der grasartige Rasen fast bis zu den Fußballerknöcheln, und der Verlauf der Spielfeldmarkierungen ließ auf einen leicht erhöhten Ouzo-Konsum des dafür Verantwortlichen schließen.

Bundestrainer Michael Skibbe bestritt jedoch, dass es auf Seiten des DFB Versäumnisse bei der Auswahl des Trainingsplatzes gegeben habe. Natürlich. Das Ganze ist in Wirklichkeit Teil eines Geheimplans, der den deutschen Fußball wieder wettbewerbsfähig machen soll. Nach diesem Plan lernen die Nationalspieler erst einmal das, was zu Zeiten von Netzer und Beckenbauer noch für jedes Kind selbstverständlich war. Basisschulung für Nationalspieler, Übung eins: Kicken auf dem Bolzplatz.

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