• Im starken Hertha-Team gehören Dardai, Michalke und Wosz zu den besonderen Siegern

Sport : Im starken Hertha-Team gehören Dardai, Michalke und Wosz zu den besonderen Siegern

Frank Bachner

Irgendwann wirft Jürgen Röber ein Ende seines dunkelblauen Schals lässig über die Schulter. Das sieht schön aus. Es macht ihn noch eleganter, als er schon ist in seinem dunklen Anzug. Es sieht schön aus, weil es so ein bisschen italienisch wirkt. Diese lässige Eleganz. Und es sieht schön aus, weil damit auch in Kleinigkeiten der Unterschied aufgehoben wird. Schon auf dem Platz war es so. Hertha spielte wie der AC Mailand zu seinen besseren Zeiten, und Mailand spielte zeitweise wie Hertha im Pokal gegen TeBe. Neben dem eleganten Hertha-Coach Röber sitzt sein Kollege Alberto Zaccheroni mit einem Blick, den man von müden Bernhardinern kennt, und sagt "Wir haben uns dämlich angestellt". Er sagt wirklich dämlich, und Röber lacht nach innen.

Natürlich stellte sich Mailand dämlich an. Zu wenig Aggressivität, zu wenig Druck nach vorne, zu anfällig in der Abwehr. Die Berliner konnten überraschend ruhig ihr Spiel aufbauen. Hertha BSC spielte stark und überaus clever und wie immer in der Champions League am Limit. Es gab keinen Ausfall in der Mannschaft. Es gab nur Gewinner bei Hertha, aber es gibt drei, die ragen aus dieser Siegertruppe besonders heraus. Dariusz Wosz, Kai Michalke und Pal Dardai. Michalke, weil er in den letzten Partien auf links ziemlich unauffällig gewesen war, und Wosz, weil er zuletzt rannte und wirbelte wie ein Marathonläufer, aber dabei nicht effektiv genug war. Und Dardai, weil er immer stärker in die Rolle eines Kopfes der Mannschaft rückt.

"Dariusz hat überragend gespielt", sagt Röber. Bei Röber spielen seine Profis oft überragend, er überhöht Leistungen, um seine Spieler nach außen hin zu schützen. Aber gegen Mailand war Wosz wirklich überragend. Er verteilte die Bälle, er spielte gute Pässe, er schuf Räume, er schoss das Tor, er arbeitete in der Defensive, er war an diesem Abend nahezu perfekt.

Und dann Michalke. Die beiden kennen sich aus Bochumer Zeiten. Michalke kam vor dieser Saison, Wosz vor der vergangenen. Aber Wosz kam als Größe, Michalke als Talent mit 87 Bundesligaspielen. Er überhöhte sich nicht, aber in Bochum wählten sie ihn in den Mannschaftsrat. Da war er 22, und seither fühlt er sich als erwachsener, anerkannter Profi. Aber in Berlin wurde er ins hintere Glied durchgereicht, er war der Mann im Hintergrund, und das dürfte ihn mehr mitgenommen haben, als er erwartet hatte. "Kai hatte es am Anfang schon schwer bei uns", sagt Röber. Michalke rückte vor allem ins Team, weil andere schlicht verletzt waren. Aber gegen Mailand spielte er auf wie ein Routinier. Machte Druck auf der linken Seite, schlug lange Pässe, um das Spiel zu verlagern und arbeitete gut in der Defensive. Glänzend, sagt Röber, habe Michalke gespielt. "Er ist sehr ballsicher."

Auch Dardai ist ballsicher. Das war er schon frühzeitig. Aber er war auch ein Problemfall, damals, 1996, als er zu Hertha kam in die Zweite Liga. Fühlte sich als Künstler, der Abwehrarbeit als Strafe betrachtete. Aber Röber benötigte Leute, die auch malochen. "Der Pal hat sich anfangs bestimmt eingeschlossen und gefragt, was er hier soll", sagt der Trainer heute. 18 Monate lang war Dardai ein Problem. Und ein Weichei. Er bekam Tritte im Training und beschwerte sich beim Trainer. Dann grätschte ihn der robuste Herzog ab, und plötzlich schubste Dardai den Kollegen weg. Da wusste Röber, dass Dardai endlich zum echten Kerl wird. "Dass Pal ein vollendeter Fußballer ist", das hatte er ohnehin schon immer gesehen. Doch der vollendete Fußballer fällt für das Stuttgart-Spiel aus. Der Ungar verletzte sich am Mittwoch am rechten Sprunggelenk.

Was kann Hertha im Europapokal noch alles erreichen? "Alles", sagt Oliver Bierhoff, der Mailänder Torjäger. Das ist natürlich erstmal nur ein lakonischer Spruch. Aber dass er überhaupt fällt, das liegt auch an Dardai und Wosz und Michalke.

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