Sport : Im Stau von Schanghai

Michael Schumacher wird in China nur Zwölfter – Rubens Barrichello siegt

Karin Sturm[Schanghai]

Die Eröffnungszeremonie des ersten Grand Prix von China war spektakulär. Vor 150000 Zuschauern boten Sänger, Tänzer in traditionellen Kostümen und Artisten eine sehenswerte Vorstellung. Die Veranstalter wollten eine Begegnung des alten mit dem neuen China symbolisieren. Das ist ihnen gelungen. Beim Formel-1-Debüt auf der Strecke von Schanghai gelang dann später allerdings vielen Fahrern sehr wenig. Es gab viele Pannen, manche Kuriosität, zum Teil auch heftigen Ärger und Überraschungen. Nur das Auto des Siegers war keine Überraschung, ein Ferrari kam als erster ins Ziel: Der des Brasilianers Rubens Barrichello. Weniger Glück hatte sein Teamkollege Michael Schumacher, der bereits als Weltmeister feststeht. Der Deutsche wurde nur Zwölfter.

Der Tag hatte schon mit Ärger für Michael Schumacher begonnen. Er konnte nicht wie gewohnt mit dem Helikopter vom Hotel an die Rennstrecke fliegen. Jeder private Hubschrauberflug muss in China Wochen vorher genau angemeldet werden, das hatte Ferrari versäumt. So stand also Schumacher wie alle anderen Fahrer auch trotz Polizeieskorte eineinhalb Stunden im Stau, ehe er die Strecke erreichte. Es war die erste Panne für Schumacher, andere sollten folgen. Auf einem so schlechten Platz wie in Schanghai kam Michael Schumacher in seiner gesamten Formel-1-Karriere noch nie ins Ziel. Und trotzdem war der Weltmeister eine Stunde nach dem Rennen wieder ganz entspannt. „Rubens Barrichello hat ja für uns die Kohlen aus dem Feuer geholt“, sagte er. Der Brasilianer gewann seinen zweiten Grand Prix hintereinander, vor Jenson Button und dem starken Finnen Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes.

Der Finne hätte gute Siegchancen gehabt, aber nachdem er den Start gegen Rubens Barrichello verloren hatte, kam er am Ferrari des Brasilianers und an Button einfach nicht mehr vorbei. Räikkönen war dennoch nicht enttäuscht: „Es ist vielversprechend zu sehen, dass wir wieder die Geschwindigkeit zum Gewinnen haben.“ Bei Michael Schumacher, der mit neuem Motor und neuen Reifen aus der Boxengasse gestartet war, ging so gut wie alles schief. In Runde elf kam ihm der Österreicher Christian Klien in die Quere, in der 15. Runde endete dann der Versuch, Fernando Alonso anzugreifen, in einem Dreher, 20 Runden später erlitt Michael Schumacher dann einen Reifenschaden.

Es war nicht das Rennen der Schumachers – auch Ralf hatte bei seinem Comeback kein Glück. Nicht nur, dass ihn David Coulthard bei einem Überholmanöver von der Strecke schob, nach diesem Malheur brach bei Williams das Chaos aus. Ralf Schumacher konnte sich hinterher nur noch ärgern: „Ich wollte weiterfahren, so wie es Rennfahrer einfach machen. Ich habe aber erst in der Kurve gemerkt, dass der Reifen keine Luft mehr hatte und die Felge kaputt war. Deshalb habe ich mich gedreht.“ Seine Kommunikation mit seinem Team war danach gestört. Erst habe es aus der Boxengasse geheißen, er solle aufgeben, dann hieß es, erzählte Ralf Schumacher, „du kannst doch weiterfahren“. Dann aber mochte Ralf Schumacher nicht mehr und gab auf: „Da hatte ich nämlich schon zwei Runden Rückstand. Das Team hat sich später bei mir für das Tohuwabohu entschuldigt.“

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