Sport : Im Strafraum

Robert Hoyzer ist zum Prozessauftakt unauffällig, dafür bestätigt der Hauptbeschuldigte Ante S. Vorwürfe

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Berlin In seinem dunklen Anzug, mit seiner stilvollen Brille und den beiden Aktenordnern unter dem Arm wirkte Robert Hoyzer wie ein Rechtsreferendar. Doch der 26-Jährige betrat den Saal 500 des Kriminalgerichts Moabit nicht zum Lernen. Er muss sich verteidigen wegen gewerbs- und bandenmäßigem Betrug. Der Schiedsrichter soll insgesamt elf Fußballspiele manipuliert haben. Auch wenn er nicht der Drahtzieher der Manipulationen ist, so steht er doch am stärksten unter Beobachtung in diesem Verfahren.

Aber auch im Saal blieb er unauffällig und machte sich nur ab und an Notizen. Auf seiner Seite der Bänke saßen der mitangeklagte Schiedsrichter Dominik Marks und der Spieler Steffen Karl. Auf der anderen Seite nahmen die drei kroatischen Angeklagten Platz, die Brüder S. Ante, Milan und Filip. Ante S., der Hauptbeschuldigte, nutzte den ersten Verhandlungstag zu einem Referat über Sportwetten. Fast zwei Stunden erzählte er über seine Karriere als professioneller Zocker, die er schon im Alter von sechzehn Jahren angefangen habe. Er habe stets versucht, sich einen Wissensvorsprung vor den Buchmachern zu sichern und Schwächen bei den Quoten auszunutzen. Ante S. erweckte bei seinen Ausführungen den Eindruck eines vom Spielen Besessenen.

Seine Aussagen waren das Wichtigste am ersten Verhandlungstag, an dem sonst die Personalien festgestellt und die Anklageschrift verlesen wurden. Allein das nahm eineinhalb Stunden in Anspruch. Ante S. bezeichnete die Vorwürfe gegen ihn als weitgehend zutreffend. Ein Geständnis sei dies jedoch nicht, sagte sein Anwalt Stefan Conen, „er hat bestimmte Geschehensabläufe eingeräumt“.

Endgültig gestrichen aus der Liste der Beschuldigten ist der Schiedsrichter Felix Zwayer. Neun Monate war er zu Unrecht verdächtigt worden, jetzt wurde er rehabilitiert. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat das Verfahren gegen den Fußball-Schiedsrichter ohne Auflagen eingestellt, wie der Tagesspiegel erfuhr. Zwayer hatte mit seiner Aussage beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Ermittlungen gegen Robert Hoyzer ermöglicht. Weil Hoyzer bei seinem Geständnis vor der Staatsanwaltschaft jedoch auch Zwayer als möglichen Manipulierer erwähnte, wurde gegen ihn ermittelt. Zwayers Rechtsanwalt Uwe Freyschmidt sagte nun dem Tagesspiegel: „Der Mut, kriminelle Machenschaften aufzudecken, ist letztlich doch belohnt worden. Es sollte auch nicht übersehen werden, dass Hoyzer als Angeschuldigter nicht wie ein Zeuge der Wahrheitspflicht unterliegt.“ Und Zwayer selbst hat vor allem einen Wunsch: „Ich möchte so schnell wie möglich wieder auf den Platz und Spiele pfeifen.“ Auf die Schiedsrichterliste hat ihn der Deutsche Fußball-Bund schon wieder gesetzt.

Der 24 Jahre alte Immobilienkaufmann war der wichtigste Zeuge im Schiedsrichterskandal, weil Hoyzer ihm seine Manipulationen verraten hatte mit dem Hintergedanken, Zwayer dafür zu gewinnen. „Ich wollte mein Wissen darüber damals einfach loswerden“, sagte Zwayer. Trotz seiner Aussage ging der Verband auf Distanz zu ihm und setzte ihn nicht ein. „Es war schon sehr enttäuschend, dass der DFB meinen Mandanten trotz anfänglichen Zusagen nicht konsequent unterstützt hat“, kritisierte Freyschmidt. Den Prozess gegen Hoyzer will Zwayer nicht intensiv verfolgen. Falls Hoyzer sich jedoch mit ihm aussprechen wolle, werde er das Angebot nicht ablehnen. „Aber es muss auf einem entsprechenden Niveau passieren. Schließlich ist er derjenige, der den Fußball verraten hat“, sagte Zwayer. Erst einmal ist Hoyzer jedoch ausreichend mit seiner Verteidigung vor Gericht beschäftigt. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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