Sport : Im Tempo-Spaziergang

Die Füchse Berlin zwischen Anspruch und Realität

Hartmut Moheit

Berlin - Wenn sich Bob Hanning maßlos ärgert, geht er spazieren. Das kann für ein paar Minuten in einer Sporthalle sein oder auch schon mal die halbe Nacht durch die Stadt. „Das ist meine Art, etwas zu verarbeiten“, sagt der Manager des Handball-Zweitligisten Füchse Berlin. In letzter Zeit musste der 37-Jährige viele Spaziergänge machen, etwa nach der Niederlage am 9. November gegen den damaligen Tabellenletzten aus Varel in eigener Halle vor gerade einmal 511 Zuschauern. „Das war ein sportlicher Offenbarungseid, und ich hatte das Gefühl, in Berlin im Stich gelassen zu werden“, beschreibt Hanning seine Gedanken danach. Er wäre aber nicht der Erfolgsmensch Hanning, wenn es dabei geblieben wäre. „Ich dachte an Berlins schwierige Jahre und daran, dass es in dieser Zeit viele Leute gegeben hatte, die fest an das Große glaubten. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagt er etwas pathetisch. Seinen Anspruch hat er nicht revidiert: Ziel bleibt der Aufstieg in die Bundesliga in der Saison 2006/2007.

Deswegen wurden die Reinickendorfer Füchse vor der Saison in einen Gesamtberliner Verein umgewidmet und zogen vom Stadtrand in die Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg. „Es war ein verdammt hohes Tempo, das wir gegangen sind – praktisch vom Betriebs- zum Leistungssport“, gibt Hanning zu. Das Team von Trainer Jörn-Uwe Lommel kann da momentan nicht Schritt halten – zurzeit bewegt sich die Mannschaft als Tabellen-15. näher an den Abstiegs- als an den Aufstiegsrängen. Auch die Zuschauerzahlen haben deutlich abgenommen und sich im Bereich von 500 bis 1000 eingependelt, weit unter dem kalkulierten Schnitt von 1500 Zuschauern. Mit einer großen Plakat-Werbekampagne in Berlin will Hanning die Menschen ab 15. Dezember auf „das gemeinsame Ziel, den Erstliga-Handball nach Berlin zurückzuholen“, einschwören.

Vehement wehrt er sich dagegen, den Zuspruch in der Stadt mit spektakulären Verpflichtungen zu erkaufen. Laut Hanning geben die Füchse nur Geld aus, das auch in der Kasse ist. Zumindest diese Saison ist durch den holländischen Energiekonzern Nuon als Hauptsponsor finanziell gesichert. „Wir arbeiten absolut seriös, jede Tankquittung wird bei uns korrekt abgerechnet“, meint Hanning. Der teure Neuzugang Pavel Prokopec wäre demnach nicht geholt worden, wenn Sascha Detlof nicht ausgefallen wäre.

Doch für das Team der kommenden Saison werden bereits Spieler gesichtet oder es laufen sogar schon Gespräche. Etwa mit Branko Kokir vom Erstligisten HSV Hamburg. Der 31-Jährige könnte aber den Füchsen sehr helfen. Ansonsten lautet das Anforderungsprofil: 23- bis 26-jährig, deutsch, Erstligaerfahrung. Die Ausnahme im geplanten ersten Erstligajahr 2007 soll der frühere Nationalspieler Stefan Kretzschmar werden, der seine Karriere bei den Füchsen beenden möchte.

Zunächst einmal heißt es aber, die Zweite Liga zu halten. Zwei Punkte trennen die Füchse von einem Abstiegsplatz, deswegen dürfen sie heute gegen Empor Rostock (20 Uhr/Max-Schmeling- Halle) nicht verlieren. Andernfalls wartet ein langer Spaziergang auf Bob Hanning.

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