Im Trainingslager : Hertha will einen fürs Mittelfeld – falls überhaupt

Hertha BSC denkt über eine Verstärkung nach. Für ein paar Tage trainiert der serbische Mittelfeldspieler Darko Lazovic mit, ein 18-Jähriger vom Erstligisten Borac Cacak. Er sei aber "eher kein Thema".

Sven Goldmann[Marbella]
Favre
Trainersorgen. Lucien Favre denkt über neue Spieler nach. -Foto: dpa

Marbella - Das Training unter den Palmen von Marbella hat gerade begonnen, da wuselt auf einmal ein neuer Spieler durch die Reihen von Hertha BSC. Blondes Haar, kräftig gebaut – „schau an, der Florian Kringe“, sagt Dieter Hoeneß, doch bevor Herthas Manager die Hand zum Gruß heben kann, ist Kringe schon wieder weg, in der Hand einen Ball, den seine Dortmunder Kollegen vom Nebenplatz herübergedroschen haben.

Florian Kringe spielt mal im Mittelfeld, mal in der Verteidigung, mal rechts, mal links, er schießt hart und flankt sicher – damit fügt er sich in das Anforderungsprofil von Lucien Favre. Zwei Wochen vor dem Bundesliga-Rückrundenstart fahndet Herthas Trainer noch nach einem neuen Spieler, der viel kann und wenig kostet.

Favre wird ein gewisser Hang zur Entscheidungsschwäche nachgesagt. Im aktuellen Fall hat er sich schon mal auf die Position des potenziellen Neuzugangs festgelegt. Kein Mann für die linke Außenbahn, ein vielseitig zu verwendender Mittelfeldspieler soll es sein. Wieder eine Gelegenheit für Favre, seine Lieblingsvokabel „Polyvalenz“ zu strapazieren. Manager Hoeneß hätte ihm den Brasilianer Junior Cesar spendiert, aber der war Favre als Spielerpersönlichkeit zu eindimensional angelegt. Lieber keinen Neuen als einen, der monovalent auf der linken Seite läuft, dribbelt und flankt. Gerade trainiert in Marbella der serbische Mittelfeldspieler Darko Lazovic mit, ein 18-Jähriger vom Erstligisten Borac Cacak. Er ist aber laut Hoeneß für diese Saison „eher kein Thema“.

Auch Sofian Chahed ist nun verletzt

Die Planung der mittelfristigen Zukunft spielt sich ebenso im Ungefähren ab wie die Vorbereitung auf das erste Bundesligaspiel des Jahres gegen Frankfurt. Die personelle Situation erlaubt kaum Rückschlüsse. Pal Dardai kann nach dem Riss des Außenmeniskus in frühestens vier Wochen spielen. Gojko Kacar absolviert nach auskurierter Schienbeinverletzung sein Programm vorwiegend ohne Ball, „für ihn könnte es mit der Kondition eng werden“, sagt Favre. Bei Sofian Chahed brach am Donnerstag die alte Adduktorenverletzung wieder auf. Favre nimmt die Situation gewohnt sanftmütig hin, „wir können es eh nicht ändern“. Es sei ja bekannt, dass „wir im Angriff fünf Leute für zwei Positionen haben, sonst sind wir leider nicht so großartig besetzt“. Hoeneß kleidet die Situation in philosophische Worte: „Wenn wir es uns wünschen könnten, würden wir es uns anders wünschen.“

Auch die Planungen über die Saison hinaus ruhen derzeit. Wie lange bleibt Marko Pantelic, wird der aus Liverpool ausgeliehene Andrej Woronin fest verpflichtet? „Darüber reden wir jetzt nicht, und wir werden es auch in den nächsten Tagen nicht tun“, sagt Hoeneß. Das Team solle sich in Ruhe auf die Rückrunde vorbereiten, schließlich halte Hertha in Marbella ein Trainingslager ab und kein Verhandlungslager.

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