Sport : Im Trubel von Hongkong

Jockey Delpech gewinnt vor 40 000 Galopp-Fans

Hartmut Moheit[Hongkong]

Plötzlich hielt es Anthony Delpech nicht mehr auf dem fünfjährigen Wallach Vengeance of Rain. Der Jockey von den Seychellen riss beide Arme hoch und sprang vom Pferd herunter. Etwas in dieser Art wollten die 39 117 schreienden Galoppfans in Hongkong am späten Nachmittag von dem Jockey auch sehen. Wenige Minuten zuvor – die Sonne war gerade untergegangen – hatte er schließlich ihre Nerven auf der Rennbahn Sha Tin in Hongkong erheblich strapaziert. Delpech gewann nicht nur den mit knapp eineinhalb Million Euro dotierten Hongkong Cup, sein Pferd erkämpfte sich zugleich auch noch den Weltmeistertitel. „Ich habe meine Chance auf der Zielgeraden genutzt, jetzt bin ich einfach nur glücklich. Ich liebe dieses Pferd“, schrie Delpech in die Mikrofone und kämpfte dabei gegen den Lärm auf den Tribünen an. Mit Vengeance of Rain hatte ein Lokalmatador eines der größten Galopprennen der Welt gewonnen. Der Stall des Siegerpferdes ist auf der Hongkonger Bahn ansässig. Bis zum gestrigen Tag hatten sich die Erfolge von Trainer David Ferraris mit zehn in diesem Jahr noch in Grenzen gehalten.

Die Hongkonger feierten noch ausgelassen diesen großen Sieg von Vengeance of Rain vor der französischen Stute Pride und Maraahel aus England, da war der von Andreas Schütz trainierte deutsche Hengst Epalo bereits wieder auf dem Weg in den Stall. „Dass es nicht mindestens ein fünfter Platz wurde, enttäuscht mich“, sagte Jockey Andrasch Starke, der als Sechster immerhin noch knapp 40 000 Euro kassierte. Im Lande der Galopp-Millionen gilt dieses Preisgeld allerdings nicht einmal als Trostpflaster. Dabei verlief das Rennen für den sechsjährigen Weltmeister des Vorjahres nahezu ideal. Schon im Führring wirkte der braune Hengst ruhig und entspannt, aber nach dem Start schoss er regelrecht von der Außenbahn an die zweite Position. Auch mit dem Angriff auf die Spitze klappte es zunächst auf der Zielgeraden, aber dann wurde er auf den letzten 200 Metern doch noch überholt.

Das sahen auch 5200 Zuschauer auf der im Vergleich zu Sha Tin wie geklont aussehenden Rennbahn Happy Valley in der City von Hongkong. Dorthin wurden die Rennen übertragen, und die Begeisterung über die Siege der Einheimischen war dort riesig. Beim Hongkong Sprint über 1000 Meter gewann zuvor mit Natural Blitz ebenfalls eines ihrer Pferde.

Viel Glamour zum Abschluss konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für den in Hongkong allmächtigen Jockey Club einen Umsatzeinbruch gab. Rund 82 Millionen Euro bedeuten im Vergleich zu früheren Jahren einen herben Verlust. Vor zwei Jahren wetteten noch über 59 000 Zuschauer für 93 Millionen Euro. Ein Grund für die Zurückhaltung könnte der aktuelle Sicherheitsstandard in Hongkongs Innenstadt gewesen sein. Tausende waren lieber irgendwohin gefahren, als sich von den Absperrungen rund um die Harbour City einengen zu lassen. Größer könnte der Kontrast zu den Millionenrennen in Hongkong ohnehin kaum sein: Am Dienstag beginnt im Convention Center die Ministertagung der Welthandelsorganisation WTO. Die Bedürfnisse der ärmsten Länder der Welt stehen dabei im Mittelpunkt. Das traditionelle Feuerwerk zum Abschluss der Galoppwoche fiel deshalb aus.

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