Im Uefa-Cup : Hertha darf bleiben

Ein Klub kickt gegen die Verwechslungsgefahr. Das 0:0 gegen die Amateure von St. Patrick's ist dabei für Hertha ein Rückschlag.

Michael Rosentritt
UEFA-Pokal - St. Patrick's Athletic - Hertha BSC Berlin
Fußball sieht anders aus. Raffael konnte sich gegen St. Patrick selten durchsetzen.Foto: dpa

Der Besuch der Fußballmannschaft aus Berlin hatte sich herumgesprochen in Dublin. Der Zeitung „Irish Sun“ war der Auftritt des Bundesligisten anlässlich dessen Gastspiel beim in der irischen Hauptstadt ansässigen Fußballklub St. Patrick’s Athletic am Spieltag immerhin eine Doppelseite wert. Für die Gastgeber war bereits das Vordringen in die erste Hauptrunde des Uefa-Cups eine Sensation. Und natürlich wurde auch der favorisierte Gegner vorgestellt. Doch anscheinend sind die Fakten über Hertha, die sich auf der Insel halten, nicht besonders dicht. Das Blatt glaubte ein Bild von Herthas Manager Dieter Hoeneß abgebildet zu haben, in Wirklichkeit war es ein Foto von Rolf Rüssmann.

Nun gibt es durchaus ein paar unübersehbare äußerliche Ähnlichkeiten zwischen den beiden früheren Nationalspielern. Rüssmann ist eine Art Dieter Hoeneß in Light-Version. Egal, im Reisetross der Berliner Delegation hatte dieser Fehlgriff für verhaltene Heiterkeit gesorgt – nicht bei allen, wie man sich denken kann. War es doch bei einem gewissen Verständnis für persönliche Eitelkeiten doch ein Beweis dafür, dass auch Zeitungsleute Fehler machen, und dass Hertha in Europa lange nicht die bekannte Rolle spielt, wie es dem klubeigenen Selbstverständnis entspricht. Acht Uefa-Pokalteilnahmen in den zurückliegenden zehn Jahren haben bislang keine Spuren hinterlassen, aber das kann sich jetzt ja ändern. Denn das mit viel, viel Glück ergatterte 0:0 in Dublin reichte den Berlinern für das Erreichen der Gruppenphase. Diese wird am kommenden Dienstag ausgelost, gestartet wird sie am 23. Oktober.
In einer Fünfergruppe hat Hertha dann je zwei Heim- und Auswärtsspiele auszutragen. „Das Weiterkommen war das Wichtigste“, sagte Arne Friedrich in Dublin. Der Kapitän von Hertha wünscht sich jetzt nur „gute Gegner“, wie er sagte. „Damit das Stadion voller wird und wir endlich mal Europacup-Atmosphäre haben.“

Die bisherigen Leistungen werden im Uefa-Cup nicht ausreichen

Der Wunsch ist durchaus verständlich. Nistru Otaci, Interblock Ljubljana und St. Patrick’s Athletic sind alles andere als international bekannte Marken. Doch werden die bisher im Wettbewerb gezeigten Leistungen nicht ausreichen, für die gehobene Kundschaft des Kontinents. Vielmehr darf Hertha sich glücklich schätzen, bislang den vielleicht denkbar einfachsten Weg in die Gruppenphase zugelost bekommen zu haben. Die drei bisherigen Gegner besitzen nicht mal Zweitliganiveau. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass Hertha selbst die sportliche Qualität, die zur Teilnahme am Uefa-Cup berechtigt, in der vergangenen Bundesligasaison nicht nachgewiesen hat. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre wurde Zehnter, rutschte erst über die Fairplay-Wertung in die Qualifikationsrunde zum Uefa-Cup.

In der Gruppenphase werden nun bessere Gegner kommen, aber vielleicht tut sich Hertha ja gegen spielstärkere Mannschaften leichter – das 1:4 vor kurzen beim FC Bayern München mal ausgenommen. Und so könnte sich die Gruppenphase womöglich als Krisenkiller für die Berliner erweisen, dann nämlich, wenn die Mannschaft über sich hinauswächst und das ausspielt, was die Klubverantwortlichen seit Wochen zu sehen glauben – ihr enormes Potenzial.

Unzweifelhaft dagegen ist, dass Hertha sich in allen Mannschaftsteilen gewaltig steigern muss. „Wenige haben nach den Niederlagen zuletzt vor Selbstbewusstsein gestrotzt“, sagte Friedrich, „Wir müssen uns Stück für Stück aus dem Sumpf rausziehen.“ Der Kopf steckt seit der Dubliner Dienstreise wieder draußen, jetzt geht es nach Leverkusen – Ligaalltag. Dort weiß man aber genau, wer da kommt.

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