Sport : Im Ungleichgewicht

Trainer Matej Mamic ist in Lichterfelde unzufrieden

Moses März

Berlin - Es passierte vor gut zwei Monaten im Training des Zweitligisten TuS Lichterfelde. Ohne dass jemand Matej Mamic berührt hätte, verlor der Trainer das Gleichgewicht und fiel zu Boden. Die Spieler sahen sich verzweifelt an – niemand wusste, was zu tun ist. Glücklicherweise stand Mamic gleich wieder auf. Vor zwei Jahren beim Bundesligaspiel zwischen Trier und Alba Berlin war das noch anders. Damals stürzte der damalige Kapitän der Berliner unglücklich und war vorübergehend sogar gelähmt. Obwohl der Kroate mittlerweile wieder ein normales Leben führen kann, hat er gelegentlich noch mit Koordinationsschwierigkeiten zu kämpfen. Sie sind der Grund dafür, dass Matej Mamic nicht mehr Spieler ist, sondern Trainer beim TuS Lichterfelde, dem Drittletzten der neugegündeten Liga „Pro B“. Und unzufrieden.

„Zu Beginn meines Engagements als Trainer von Lichterfelde hatte ich große Ambitionen, aber sie haben sich mittlerweile relativiert“, sagt Mamic und zeigt auf die Jugendlichen, die das Basketballfeld rauf und runter rennen. „Wenn diese Jungs nicht die Nachwuchsmannschaft von Alba wären – ich wäre schon längst woanders.“ Dass Mamic nicht glücklich mit seiner neuen Arbeit ist, hängt damit zusammen, dass nur neun Spieler in der Carl-Schumann-Sporthalle erschienen sind. Mndestens einer zu wenig, um richtig trainieren zu können. Die besten seiner Spieler müssen immer wieder beim Kooperationspartner Alba aushelfen, der in der ersten Saisonhälfte vom Verletzungspech verfolgt wurde. Dass zwei Spieler seiner Mannschaft für die Profis in der Bundesliga spielen würden, hatte Mamic gewusst, es war schon immer so. „Dass es jetzt aber manchmal sechs sind, ist zu viel. Bei jedem Training muss ich improvisieren, so kann ich überhaupt nicht zeigen, was ich als Coach kann“, sagt Mamic. Es müsse, so fügt er hinzu, einen Weg geben, der sowohl für Alba als auch ihn selbst zufriedenstellend ist. Dieser ist noch nicht gefunden – und so wünscht sich Mamic zu einem anderen Team. Obwohl er nur geringe Erfahrung als Trainer besitzt. Das sei kein Problem, sagt er, nach 20 Jahren im Basketball wisse er genug, um auch ein Profiteam zu führen.

Fachwissen und Autorität des ehemaligen Kapitäns der kroatischen Nationalmannschaft zweifeln seine Spieler nicht an. Für die jungen Spieler ist er eine Respektsperson, „eigentlich noch mehr als Henrik Rödl damals“, findet einer, der sowohl unter dem ehemaligen Alba-Trainer als auch jetzt unter Mamic bei TuS Lichterfelde gespielt hat. Dass Mamic noch lernen müsse, wie er sein Fachwissen vermitteln kann, sagt er aber auch. Genau damit scheint es momentan Probleme zu geben. Seine oft unsichere Körpersprache und sein noch nicht perfektes Deutsch vermitteln den Eindruck, dass er sich noch nicht richtig wohl fühlt in seiner neuen Rolle. Oft würde er wahrscheinlich selbst noch gerne mitspielen, glauben die Spieler.

Das aber geht nicht. Die Spieler berichten auch davon, dass Mamic manchmal einen Pass nicht fangen kann oder Probleme hat, den Ball über seinen Kopf zu heben. Aber diese Situationen würden seltener werden. Der ehrgeizige Matej Mamic macht weiterhin Fortschritte, nicht nur als Trainer. „Auch seine Gesundheit verbessert sich“, sagt Aufbauspieler Kevin Schaffartzik. Zwischenfälle wie den von vor zwei Monaten gebe es nicht mehr. „Letztens hat er im Kraftraum die schwierigste Übung selbst vorgemacht.“

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