Sport : Im Zeichen der Metallschleuse

Eine Milliarde Euro für die Sicherheit: Athen rüstet sich für Olympia

-

Der Bus stoppt. Das Reitstadion von Markopoulo liegt nur noch 50 Meter entfernt, doch zwei griechische Polizisten hindern die Besuchergruppe an der Einfahrt. Auch Theodora Petrou vom Kulturministerium gelingt es nicht, die Beamten davon zu überzeugen, dass es sich um einen offiziellen Besuch der Olympiastätte handelt, zu dem die griechische Regierung eingeladen hat. Nun muss sie telefonieren. Eindringlich spricht sie in ihr Handy und reicht es an einen Polizisten weiter. Es passiert – nichts. Die Zeit verstreicht, die Sonne steigt, Petrou zieht genervt an einer Zigarette. Wieder telefoniert sie. Irgendwann, 20 Minuten mögen vergangen sein, erscheint eine PRMitarbeiterin des „Markopoulo Olympic Equestrian Center“ und erklärt den Wartenden: „Sie dürfen jetzt auf das Gelände – aber es darf nicht fotografiert werden.“ Warum nicht? „Aus Sicherheitsgründen.“

Da ist es wieder. Das Wort, das beste Chancen hat, das meistbenutzte bei den Olympischen Spielen 2004 vom 13. bis zum 29. August zu werden: Sicherheit, security, asfalia. „Der 11. September hat unser Leben zehnmal schwieriger gemacht“, sagt die PR-Mitarbeiterin des olympischen Reitzentrums. „Er hat hier alles auf den Kopf gestellt.“ Eine Milliarde Euro gibt die griechische Regierung für Sicherheitsmaßnahmen bei den Olympischen Spielen 2004 aus, das ist viermal so viel wie vor vier Jahren in Sydney. Zwar liegt keine konkrete Terrordrohung vor, dennoch sagt der Sicherheitsberater der Olympischen Spiele von Sydney, Bill Rathlon, gegenüber dem Fernsehsender CNN: „Die Bedrohungsstufe dieser Spiele ist so hoch wie nie zuvor.“ Sieben Nationen, darunter auch Deutschland, helfen Griechenland bei der Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen.

Vom 1. Juli an wird ganz Griechenland unter einem Schutzschirm liegen. Erst nach dem Ende der anschließenden Paralympics am 28. September wird dieser Ausnahmezustand wieder aufgehoben sein. Die Polizisten, Feuerwehrmänner und Militärs des Landes dürfen in diesem Zeitraum keinen Urlaub machen. „Das Personal muss im gesamten Zeitraum in Bereitschaft sein“, sagt Eleftherios Ikonomou.

Der Pressesprecher des Ministeriums für Öffentliche Ordnung hat eine 49-seitige Broschüre mitgebracht, die einen Überblick über die Sicherheitsmaßnahmen geben soll. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu den Spielen vor dem 11. September 2001. Damals handelten Olympia-Broschüren noch von Mannschaften oder Sportfunktionären. In jener, die Ikonomou austeilen lässt, werden statt der Athleten die 963 Metallschleusen, 261 Röntgenmaschinen, 520 tragbaren Metalldetektoren, 39 Sprengstoff-Detektoren, 1577 Überwachungskameras und 21 262 Kommunikationsgeräte vorgestellt. „Wir haben alles Menschenmögliche für die Sicherheit getan“, sagt Ikonomou. „Wer sich im August in Athen nicht sicher fühlt, dem kann ich nicht sagen, an welchem Ort in der Welt er sich noch sicherer fühlen würde.“

Die Sicherheit wird den Charakter der Spiele verändern. Die Besucher müssen sich auf längere Wartezeiten einrichten, um durch die Kontrollen zu gelangen. „Ich gehe davon aus, dass die Zuschauer eine Stunde vor Beginn da sein müssen“, sagt der Pressesprecher des Ministeriums für Öffentliche Ordnung. Überwachungskameras und Sicherheitskräfte werden das Stadtbild prägen. Im Hafen von Piräus werden sich Polizeitaucher aufhalten, in der Luft werden Hubschrauber und ein Zeppelin patrouillieren. Ein Flugzeug, das die Flugverbotszone über Athen missachtet, „wird sofort abgeschossen“, sagt Ikonomou. Trotzdem sollen die Sicherheitskräfte nicht allzu auffällig sein. „Wir wollen nicht, dass Athen als eine Festung angesehen wird“, sagt Ikonomou.

Noch eine Zahl belegt den neuen Charakter der Sommerspiele: 41 000 Sicherheitskräfte werden das Ereignis beschützen. Das sind viermal mehr, als Athleten an den Spielen teilnehmen. Hatte ein Kind früher den Traum, irgendwann einmal Olympische Spiele miterleben zu wollen, empfahl man ihm: Du musst hart trainieren. Inzwischen könnte man auch sagen: Werde Polizist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben