Sport : Im Zickzackkurs über die Trabrennbahn

Der Berliner Rennverein denkt an eine Aufgabe seines Standortes in Mariendorf – aber vorher müsste das Gelände in Bauland umgewidmet werden

Heiko Lingk

Berlin. Wenn ein Traber auf den letzten Metern eines Rennens die Anstrengung spürt und – was häufiger passiert – anstatt geradeaus zu laufen, in einen Zickzackkurs verfällt, dann ist er zum Schluss auf der Ziellinie selten der Sieger. Weit eher endet ein derart übermüdeter Vierbeiner als geschlagenes Pferd. Betrachtet man die Maßnahmen, die von den wechselnden Vorständen des Berliner Trabrennvereins in den vergangenen Jahren unternommen wurden, um die wirtschaftlich schwer angeschlagene Sportart zu sanieren, muss man Ähnliches vermuten. Denn auch von der organisatorischen Seite aus verlief das meiste nicht in eine gerade Richtung, sondern erinnerte weit eher an einen notgedrungenen Slalomlauf.

Keine zwei Jahre ist es her, da wollte man über Nacht die Trabrennbahn in Karlshorst schließen. Jetzt ist die andere Variante dran. Unmittelbar zum Saison-Höhepunkt, dem Derby-Finale, wurde bekannt, dass die Mariendorfer Bahn eventuell verkauft werden soll. Da das Gelände dem Rennverein selbst gehört, würde diese Maßnahme 40 bis 50 Millionen Euro in die Kassen bringen. Damit könnten nicht nur die Verluste aus dem defizitären Geschäft an den Totokassen ausgeglichen werden – schließlich sank der Wettumsatz in der Derby-Woche um 14,5 Prozent. Mit dem Geld könnte vor allem ein Neuanfang gewagt werden. „Wir können nicht weiter in zwei veraltete Bahnen investieren. Wir wollen unseren Sport auf einer Top-Anlage künftig einem viel breiteren Publikum präsentieren“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Trabrennvereins, Dimitrios Vergos. Zugleich tritt er allen Gerüchten entgegen: „Dass Karlshorst von einem anonymen Investor mit 30 Millionen Euro neu aufgebaut werden soll, ist Quatsch. Der Berliner Rennverein selber wird diesen Betrag ausgeben. Vorausgesetzt, das Gelände in Mariendorf wird vorher verkauft.“

Mit einer französischen Handelskette steht Vergos schon in Verbindung. „Mindestens 40 Millionen Euro müssen rausspringen.“ Dafür braucht man aber die Unterstützung durch die Politik. Denn um diese Summe zu erzielen, muss das zur Sportnutzung festgeschriebene Gelände vom Bezirk in Bauland umgewidmet werden.

Mit diesen Gedankenspielen sind Vergos und Vereinspräsident Klaus-Volker Stolle nicht überall willkommen. So empfand es der Tempelhofer Bürgermeister Ekkehard Band als Skandal, von den Plänen erst über die Medien zu erfahren: „Die Bahn ist ein absolutes Markenzeichen für den Bezirk. Wann steht Tempelhof schon so im Rampenlicht wie beim Derby-Finale.“ Dann fügte er hinzu: „Wenn es aber gar nicht anders geht, muss die neue Anlage ab 2004 auf dem dann stillgelegten Flughafen entstehen.“

Eine mögliche Schließung Mariendorfs muss also nicht automatisch die Hinwendung zur Karlshorster Rennbahn bedeuten. Obwohl es Horst Reiter, Chef der Wuhlheider Gelände-Eigentümerin TLG, so sieht: „Die Bahn könnte nun vor der Blütezeit stehen, die sie verdient hat.“ Vergos gibt sich diplomatisch: „Die neue Anlage kann ich mir an beiden möglichen Standorten vorstellen.“ Ein Zickzackkurs also.

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