Sport : Im Zweifel die anderen

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Stefan Hermanns über das wiederholte Scheitern von Ralf Rangnick

Leider ist es so, dass die Öffentlichkeit nicht immer ausführlich darüber informiert wird, nach welchen Kriterien in einem Fußball Bundesligaklub Entscheidungen gefällt werden. Vor allem im Fall von Hannover 96 besäße man gern ein wenig mehr Insiderwissen, weil bei Hannover 96 meistens die falschen Entscheidungen getroffen werden. Zum Beispiel wüsste man gerne, wer auf die Idee gekommen ist, einen früheren Zweitligakicker wie Dieter Schatzschneider zum offiziellen Berater des Vorstands zu machen, der dann einen Tag vor einem wichtigen Spiel des Klubs im Fernsehen die Entlassung des Trainers fordern darf. Oder wer in der Winterpause den Altherrenkicker Abel Xavier verpflichtet und ihn anschließend zum Chef einer maroden Abwehr gemacht hat.

Als Trainer war Ralf Rangnick in dieser Frage der Hauptverdächtige, und doch hatte man immer das Gefühl, dass seine Entscheidungen von langer Hand vorbereitet wurden, vom selbstherrlichen Präsidenten Martin Kind zum Beispiel oder von Sportdirektor Ricardo Moar, der auch als Gebrauchtwagenhändler eine gute Figur machen würde.

Rangnick galt einmal als kluger Kopf der Branche, als einer, der die Mechanismen des modernen Fußballs versteht, der eine Mannschaft besser machen kann, auch wenn man ihm nicht stets bessere Spieler verschafft. Aber jetzt ist er – nach Stuttgart – zum zweiten Mal in der Bundesliga gescheitert. Beim VfB musste er die Mannschaft mitten in der Saison übernehmen. Im manchmal irrealen Abstiegskampf, der konzeptionelles Arbeiten, wie Rangnick es schätzt, erheblich erschwert. Auch für den Misserfolg bei 96 wird Rangnick viele Gründe finden können, die nichts mit ihm und seiner Arbeit zu tun haben. Die Frage ist nur, ob man ihm das noch abnimmt. Bei Hertha BSC zum Beispiel.

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