Sport : Im Zweifel für den Fehler

Stefan Hermanns

über die nachträgliche Sperre für Neuville Das Leben eines Schiedsrichters muss man sich wohl als ein nicht besonders angenehmes vorstellen. Man wird beschimpft, bespuckt, verflucht. Noch unangenehmer wird es, wenn ein Schiedsrichter merkt, dass dies zu Recht geschieht. Uwe Kemmling hat das am Sonntag erlebt, als er sich in der Nachbesprechung seines Einsatzes das Video des Spiels Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Kaiserslautern ansah. So etwas machen die Schiedsrichter nach jedem Einsatz. Es geht darum, Fehler zu erkennen, um sie künftig zu vermeiden. Im Fernsehen jedenfalls hat Kemmling – anders als im Spiel – sofort erkannt, dass er vor dem 1:0 ein Handspiel von Oliver Neuville übersehen hat. Wie er jedoch Ähnliches in Zukunft vermeiden will, „dazu habe ich auch noch keine Lösung“.

Natürlich gäbe es eine Lösung: Man könnte hinter den Toren Kameras installieren und den Fernsehbeweis einführen. Auch der Schiedsrichter hätte dann mehrere Zeitlupenstudien zur Verfügung, der Unsicherheitsfaktor Mensch würde auf ein Minimum reduziert. Aber wollen wir das? Wie keine andere Sportart lebt der Fußball von menschlichem Versagen: davon, dass der Stürmer vor dem leeren Tor den Ball verstolpert, dass der Verteidiger im Strafraum ausrutscht – und der Schiedsrichter falsche Entscheidungen trifft.

Solange es keinen TV-Beweis gibt und wir ihn nicht wollen, müssen auch falsche Entscheidungen Bestand haben. Sonst entsteht irgendwann der Eindruck von Willkür. Es ist jedenfalls schwer zu erklären, warum Oliver Neuville nachträglich für zwei Spiele gesperrt wird, Oliver Kahn für sein unsportliches Verhalten gegen Miroslav Klose aber nicht. Das Volk hilft sich in solchen Fällen über die Erklärungsnot mit dem Spruch hinweg, dass sich Fehlentscheidungen im Laufe eines Jahres immer ausgleichen. Aber welcher Ausgleich wird dem 1. FC Kaiserslautern dadurch zuteil, dass Neuville gegen Hannover und Bochum nicht spielen darf?

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