Sport : Im Zweifel für die Betrüger

Stefan Hermanns

Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis Juventus Turin wieder Italienischer Meister 2006 ist. Gleich in der ersten Berufungsverhandlung wurde das Strafmaß für Juve um 13 Minuspunkte reduziert. Statt mit minus 30 Punkten starten die Turiner nun nur noch mit minus 17 in die neue Saison, wodurch ihr sofortiger Wiederaufstieg so gut wie gewährleistet ist. Doch Juventus hat bereits angekündigt, gegen das neue Urteil erneut Berufung einzulegen, und wenn der Verein das bisher erfolgreiche Prozedere noch vier- oder fünfmal wiederholt, wird der Status quo wiederhergestellt sein. So einfach kann das in Italien gehen.

Dabei hat das Berufungsgericht des italienischen Fußballverbandes vermutlich gedacht, ein salomonisches Urteil gesprochen zu haben, eines, das nicht nur gerecht ist, sondern vor allem den Rechtsfrieden im italienischen Fußball wiederherstellt. Aber nicht nur drei der vier betroffenen Vereine (Turin, Lazio und Florenz) wollen weiterklagen, auch ein großer Teil der Fußballfans wird in der neuen Milde der Richter keine Gerechtigkeit entdecken können. Es ist Italiens graue Masse aus Verona, Siena oder Cagliari, die in den Medien kaum vorkommt und auch keine Lobby besitzt.

Die Klage der Kleinen, dass die Großvereine von den Schiedsrichtern und vom Verband bevorteilt werden, ist nicht neu. Nachzulesen ist sie auch in Tim Parks’ wunderbarem Buch „Eine Saison mit Verona“. Bisher konnte man seine Vorwürfe noch für das neurotische Gejammer eines enttäuschten Fans halten. Seit dem Urteil des Berufungsgerichts bestehen an ihrer Berechtigung keine Zweifel mehr.

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