Sport : Im Zweifel gegen den Angeklagten

-

Robert Ide über die Politik

der Rücktritte in Leipzig

Es war wieder ein Tag der Erschütterungen bei Olympia in Leipzig, ein Tag der Erschütterungen für die Politik und den Sport. Wieder stand ein Mann im Mittelpunkt, mit dem Hoffnungen verbunden waren und mit dem plötzlich undurchsichtige Geschäfte verbunden wurden. Wieder musste ein Spitzenmanager die Leipziger Bewerbung um die Spiele 2012 verlassen: Burkhard Jung, der Olympiabeauftragte der Stadt, musste am Freitag sein Amt räumen. Vom Vorwurf unlauterer Provisionszahlungen an dubiose Geschäftspartner konnte sich der Jungpolitiker nicht befreien, auch wenn er bis zuletzt versicherte, nichts Unrechtes getan zu haben. Doch aufgrund öffentlichen Drucks musste Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, bislang Jungs Förderer, seinen wichtigsten Mitarbeiter aufgeben.

Mit dieser Personalie werden zwei Dinge deutlich. Erstens: Tiefensee versucht mit allen Mitteln, die Handlungshoheit zurückzugewinnen. Zweitens: Leipzig hat sich durch falsches Krisenmanagement in eine Lage gebracht, die derzeit nur einen Ausweg aus schlechten Schlagzeilen kennt: Rücktritte.

Jung hat im Januar eine Vereinbarung unterschrieben, die auf den ersten Blick wenig Ehrenrühriges enthielt. Eine Million Euro sollte die Stadt Leipzig in die alte Bewerbungsgesellschaft für Olympia einzahlen, um die Kandidatur in der nationalen Phase zu finanzieren. Das war normal, schließlich war die Stadt Leipzig als Gesellschafter der Bewerbung auch zu ihrer Finanzierung verpflichtet. Auf dem gleichen Dokument war jedoch ein folgenschwerer Passus eingefügt worden. Darin versicherte die Stadt Leipzig, der Vermarktungsagentur Sport Consulting International (SCI) „für ihre in diesem Zusammenhang erbrachten Leistungen auf die einzelnen Teilzahlungen“ eine Provision von 15 Prozent zu zahlen. Jung versicherte auch am Freitag noch, er habe sich lediglich einverstanden erklärt, dass die Agentur CSI Provisionen bekommt – und zwar nur von privatem Geld, das sie von Sponsoren akquiriert. Nicht aber von städtischem Geld.

So weit, so legal. Das Problem allerdings ist: Genau das, was nicht geschehen sollte, ist offenbar passiert. Die Agentur CSI hat offenbar Geld bekommen von der alten Leipziger Olympiagesellschaft, die Rede ist von mindestens 150 000 Euro – und bei der Inzahlungnahme nahm sie auf die Unterschrift von Herrn Jung Bezug. Das bestätigte Tiefensee am Freitag. Nun beschäftigt die Sache die Anwälte und diverse Prüfungskommissionen. Beim nächsten Skandal kann nur noch einer zurücktreten: Wolfgang Tiefensee.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben