Sport : Im Zweifel nach Deutschland

Sogar Anky van Grunsven verdrängt ihre Wut, wenn das CHIO in Aachen lädt

Siegfried Grass[Aachen]

Anky van Grunsven kommt doch zum 68. CHIO, dem Internationalen Reit-, Spring- und Fahrturnier, das heute in Aachen eröffnet wird. Die Niederländerin, soeben zur Europameisterin der Dressurreiter gekürt, war nach der an ihr in Deutschland geäußerten Kritik aufgebracht. Nie wieder, so teilte sie noch vor drei Wochen mit, wolle sie in Deutschland an den Start gehen. Inzwischen hat sie es sich anders überlegt und ihre Pferde bereits in den Stallungen der Aachener Soers untergebracht. Schließlich weiß die Holländerin: Auf Meisterschaften werden Champions gemacht, aber in Aachen entstehen die Legenden der Reiterszene.

Zwar hatte das deutsche Team die EM-Mannschaftswertung der Dressurreiterei zum 21. Mal in Folge gewonnen, doch der Einzeltitel in der von den Deutschen seit Jahrzehnten dominierten Sportart ging an Anky van Grunsven. Dabei aber gab es Kritik an ihren Ausbildungsmethoden. Im Internet waren Bilder aufgetaucht, die nahelegten, dass das holländische Team bei seinen Trainingsmethoden nicht gerade zimperlich mit seinen Pferden umging. Anlässlich des Concours Hippique International Officiel in Aachen – kurz: CHIO – kommt van Grunsven nun trotz allem zur Revanche gegen die Deutschen Heike Kemmer und Vize-Europameister Hubertus Schmidt.

Springreiter Ludger Beerbaum, Sieger des Großen Preises 2003 und auch in diesem Jahr mit dabei, stuft den sportlichen Wert des Aachener Turniers sogar höher als den einer olympischen Goldmedaille ein: „Der einzige Unterschied ist, dass sich die meisten unter einer Olympiamedaille oder einem Weltmeistertitel konkret etwas vorstellen können.“

Der CHIO in Aachen ist das größte, renommierteste und beliebteste Reit- und Fahrturnier der Welt. Dafür kann man sich als Teilnehmer nicht qualifizieren, man wird eingeladen. 160 der besten Reiterinnen, Reiter und Fahrer bringen rund 400 Top-Pferde nach Aachen, wo es bis zum Sonntag auch um über 1,4 Millionen Euro Preisgelder geht.

Doch die Aachener wollen sich selber noch übertreffen: Sie bewarben sich für die Ausrichtung der Weltreiterspiele 2006 – und erhielten den Zuschlag. Sieben statt derzeit drei Reitsportdisziplinen gehören dann zum Turnierprogramm; umfangreiche Investitionen in den Ausbau des ohnehin schon größten Reitturniergeländes der Welt wurden notwendig. Da die Aachener ihre Anlage bereits mit einem Aufwand von 17 Millionen Euro umgebaut und erweitert haben, präsentiert sie sich den Besuchern in dieser Woche in verändertem Gewand. Ein neuer Richterturm, eine neue und eine umgebaute Tribüne, 58 neue Stallungen, ein neues Veterinärzentrum, eine neue Promeniermeile – dafür waren dann auch Land und Bund bereit, 7,5 beziehungsweise 2,1 Millionen Euro zu bezahlen.

Klaus Pavel, Präsident des ausrichtenden Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), sagt, dass dieses Geld auch für die öffentliche Hand gut investiert sei: „Wenn zu den Weltreiterspielen im nächsten Jahr rund 500 000 Zuschauer kommen, davon 300 000 aus dem Ausland, dann macht das rund 250 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz aus.“ Und davon dürfe dann der Staat in Form von Steuereinnahmen wieder partizipieren.

Auch für die Sponsoren scheint sich ihr Engagement zu rechnen: Über 300 000 meist zahlungskräftige Zuschauer werden den CHIO in diesem Jahr besuchen, Fernsehsender berichten über das Turnier national 27 Stunden und international rund 340 Stunden in 136 Länder. Die Geldgeber bestreiten dann auch drei Viertel des 9,2 Millionen Euro umfassenden Etats des Chio. Den Rest müssen die Eintrittsgelder bringen – was hinsichtlich der gerade um 35 Prozent ausgebauten Zuschauerkapazitäten gelingen dürfte. Rund 60 000 Zuschauer fasst die gesamte Anlage nach dem Ausbau. HB

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