Sport : Im Zwischenraum

Alba Berlin ist für Szymon Szewczyk nur Durchgangsstation: Der Pole will in die NBA

Benedikt Voigt

Berlin. Szymon Szewczyk hat am Freitagmittag nach dem Training einen ungewöhnlichen Dienst übernommen. „Ich bin heute der Chauffeur“, sagt der Basketballprofi, „ich fahre John Best und Marko Verginella nach Charlottenburg.“ Allerdings müssen die Teamkollegen von Alba Berlin noch warten, weil Szewczyk im Vorraum der Max-Schmeling-Halle ein längeres Interview gibt. Verginella vertreibt sich die Zeit, indem er an seinem Handy herumspielt, Best möchte vor der Halle warten. Bevor der US-Amerikaner den Raum verlassen kann, ruft ihm Szewczyk hinterher: „John, kannst du die Mailbox in meinem Auto abhören?“ John Best stutzt kurz, dann geht er weiter.

Es ist schon ungewöhnlich, wenn ein 20-jähriger Jungprofi einem 32-jährigen dreifachen Familienvater Anweisungen erteilt. Doch Szymon Szewczyk hat in seinem jungen Alter schon etwas erreicht. „In Polen fühle ich mich ein bisschen berühmt“, sagt Szewczyk. Dort hat er einen Werbevertrag mit dem Ausrüster „New Balance“ unterzeichnet. „In vielen Geschäften hängen Poster mit mir“, erzählt Szewczyk. Weil er im Sommer in der zweiten Runde von dem NBA-Klub Milwaukee Bucks gedraftet wurde. Doch das macht ihm das Leben bei Alba Berlin nicht einfacher. Denn dort muss der 2,09 Meter große Centerspieler wieder von vorne anfangen.

„Es ist eine neue Situation für ihn“, sagt Trainer Emir Mutapcic, „er muss dem Kollektiv helfen, und nur das Kollektiv kann ihm helfen, dass er es in die NBA schafft.“ Sportlich hat Szewczyk noch nicht richtig die Bindung an das Team gefunden. Bei der Niederlage in Gießen erzielte er nur fünf Punkte. „Da hat die komplette Mannschaft nicht gut gespielt“, sagt Mutapcic, „das gilt auch für ihn.“ Heute im ersten Heimspiel gegen den Tabellenführer EWE Baskets Oldenburg (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) will es Szewczyk besser machen.

Im Sommer spielte er bei den Chicago Bulls, Milwaukee Bucks und den Los Angeles Lakers vor. „Ich habe Michael Jordan gesehen und Trainer Phil Jackson“, schwärmt Szewczyk. Als sein Name bei der Verteilung der neuen Spieler auf die Klubs im Madison Square Garden in New York in der zweiten Runde als Nummer 35 aufgerufen wurde, jubelte er. „Es ist, als ob ein Traum wahr geworden ist“, sagt Szewczyk. Doch wenn ein NBA-Klub die Rechte an einem Spieler erlangt hat, heißt das noch nicht, dass er ihn auch holen wird. Mutapcic sagt: „Ein Draft bedeutet nicht viel.“ Der Pole ist anderer Meinung. „Der Draft ist ein Teil davon, wenn man in die NBA will“, sagt Szewczyk, „es bedeutet, dass sie dich kennen und beobachten.“

Das taten die NBA-Späher schon in der vergangenen Saison in Braunschweig. Gerne wäre er dort geblieben, doch der Verein meldete sich nicht, als er in den USA weilte. „Ich bin immer noch enttäuscht darüber“, sagt der Pole, „als Braunschweig anrief, war es zu spät.“ Mit dem Herzen hängt er immer noch an seinem alten Klub. Heute wird ihn sein bester Freund aus Braunschweig, ein polnischer Café-Besitzer besuchen. „Irgendwann möchte ich wieder in Braunschweig spielen“, sagt Szewczyk. Bei Alba Berlin besitzt er einen Dreijahresvertrag mit Ausstiegsoption zum jeweiligen Saisonende. Wenn ihn ein Klub aus der NBA holen möchte, muss dieser den Berlinern eine Ablösesumme zahlen. Wie lange bleibt Szewczyk Alba überhaupt erhalten? „Ich möchte gerne länger bleiben“, sagt Szewczyk, „aber ich hoffe, dass es nur ein Jahr ist.“

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