Sport : Im Zwischenreich

Bayern kann als erstes Team das Double direkt wiederholen – und trauert der Champions League nach

Mathias Klappenbach

Berlin - Meisterschaft und Pokalsieg innerhalb einer Saison, und das gleich in zwei Jahren hintereinander – noch nie hat eine Mannschaft in Deutschland das geschafft. Selbst der FC Bayern nicht, obwohl sich die Erinnerung an die nationale Dominanz der Münchner so anfühlt. Schließlich haben die Münchner schon fünfmal beide Titel in einer Saison gewonnen, zuletzt 2000, 2003 und 2005. „Der eine oder andere hat sich vielleicht zu sehr daran gewöhnt, dass wir in Deutschland sehr erfolgreich sind“, sagte Felix Magath gestern.

Am Tag vor dem Finale im DFB-Pokal gegen den Außenseiter Eintracht Frankfurt im ausverkauften Olympiastadion war der Trainer des FC Bayern München locker, aber gleichzeitig auch darum bemüht, die nationalen Erfolge seiner Mannschaft als nicht allzu selbstverständlich erscheinen zu lassen. „Es wird schwer gegen Frankfurt, das kann ja auch gar nicht anders sein in einem Finale“, sagte Magath.

Am Gewinn der Meisterschaft bestehen drei Spieltage vor dem Ende der Bundesligasaison keine ernsthaften Zweifel mehr, deshalb können die Münchner schon heute den historischen Erfolg sicherstellen. Dennoch steht diese Möglichkeit nicht im Zentrum der vorläufigen Saisonbilanz des Rekordmeisters und Rekordpokalsiegers, noch immer wirkt das Ausscheiden im Achtelfinale der Champions League beim AC Mailand nach. Der Saisonhöhepunkt war ein negativer. „Es gibt keinen fairen Wettbewerb in der Champions League“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und meinte damit die größeren finanziellen Möglichkeiten des FC Chelsea, des FC Barcelona oder eben der Mailänder. Es scheint so, dass den Münchnern auch in der näheren Zukunft ein Zwischenschicksal bevorsteht: National kaum zu schlagen, international nicht ganz konkurrenzfähig mit der Elite der Elite. „Wir werden auch in den nächsten Jahren unseren Weg der wirtschaftlichen Vernunft nicht verlassen“, sagte Rummenigge. „Wir werden keine neuen Spieler holen, die einfach zu viel kosten.“

Seine Stimme hörte sich dabei so an, als ob auch ein bisschen Trauer über die eigene Vernunft mitschwingt. Zu dieser Stimmung passt die gestrige Meldung spanischer Medien, dass der 17-jährige Argentinier Sergio Aguero, den die Münchner in den vergangenen Wochen intensiv beobachtet haben, für 23 Millionen Euro von Independiente Buenos Aires zu Atletico Madrid wechselt.

Das Wissen der Münchner darum, dass sie wohl kaum als Favorit auf den Gewinn der Champions League in eine der kommenden Saisons starten werden, scheint die Freude über die nationalen Titel spürbar zu dämpfen. Während Eintracht Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel gestern davon sprach, dass „uns die Faszination Berlin erreicht hat“, und noch einmal von den Siegen in den ersten Pokalrunden gegen Schalke, Nürnberg und Bielefeld schwärmte, ist für die Münchner die Chance auf den fünften Pokalsieg in acht Jahren und den dreizehnten insgesamt Routine. Selbst Felix Magath, der vor einem Jahr mit dem FC Bayern seine ersten beiden Titel als Trainer gewann, bezeichnet den Gedanken an die maximale Ausbeute von vier nationalen Titeln in zwei Jahren als „gute Möglichkeit, Geschichte zu schreiben“.

Es war auch nicht zu erwarten, dass die Münchner über den Einzug in das deutsche Pokalfinale in hemmungslose Euphorie verfallen. Hinzu kommt, dass es in diesem Jahr wegen der Weltmeisterschaft und den damit verbundenen Terminverschiebungen nicht der zu feiernde Abschluss einer langen Saison ist. Schon am Mittwoch haben die beiden Endspielgegner wichtige Bundesligaspiele, in denen es gegen den Abstieg und um die Meisterschaft geht.

Tatsächlich wurden beide Trainer gestern gefragt, ob sie planen, Spieler dafür zu schonen und heute im Endspiel nicht aufzustellen. Natürlich hat auch Felix Magath die Frage verneint, obwohl seine Abwehrspieler Lucio und Ismael heute Frankfurts Ioannis Amanatidis bewachen sollen und nicht Mailands Andrej Schewtschenko.

Den unglücklichen Termin bedauerten beide Trainer, große Feierlichkeiten sind bei beiden Mannschaften für den Fall des Sieges nicht geplant. „Danach geht ja sofort der Alltag weiter“, sagt Felix Magath. Schon am Mittwoch könnte der FC Bayern Deutscher Meister sein.

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