Sport : Image ist doch alles

Sebastian Moll

In stillen Momenten wird der Chef der US-Baseball-Liga Bud Selig gewiss fassungslos den Kopf schütteln und sich fragen, was er nur falsch macht. Einst war Baseball doch der unangefochtene amerikanische Nationalsport Nummer eins. Der Sport war die Verkörperung aller Werte, die die USA in ihrem Innersten zusammenhalten, ein nationales Symbol, so heilig wie die Fahne, die Unabhängigkeitserklärung und Coca-Cola. Jetzt jedoch ringt der Baseball ausgerechnet mit dem Ghettosport Basketball um den deprimierenden dritten Platz in Amerika, in der Zuschauergunst weit abgeschlagen von Football und Nascar. Die durchschnittliche Football-Mannschaft ist dreimal so viel wert wie ein Major-League-Baseball(MLB)-Team und von Fernsehverträgen, wie dem Acht-MilliardenDeal zwischen der National Football League (NFL) und den Sendern NBC und Fox, kann der Baseball nur träumen.

Doch damit nicht genug. Im vergangenen Jahr wurde der Baseball wegen seines Dopingproblems vor einen Untersuchungsausschuss des Kongresses gezerrt, wo schwitzende Stars stundenlang vor laufenden Kameras bohrende Fragen der Parlamentarier beantworten mussten. Und jedes Mal, wenn der unter starkem Dopingverdacht stehende Rekordschlagmann Barry Bonds in der gerade zu Ende gegangenen Saison auflief, flogen Spritzen aufs Spielfeld und die Fans veranstalteten wütende Pfeifkonzerte. In der ernsthaften Presse gilt der Baseball seither als durchgängig anabolikaverseucht.

Nicht so der Football. Fünf positive Dopingfälle hat die NFL zwar schon in dieser Saison. Zu lesen ist davon jedoch kaum etwas. Die Fans registrieren es gar nicht. Die Spieler der Carolina Panthers, die nachweislich jahrelang per Rezept Steroide bezogen, laufen jeden Sonntag unbehelligt und unter dem Jubel ihrer Anhänger auf. Und auch die sechs Spieler der Cincinnati Bengals, die wegen Waffenbesitzes, Trunkenheit am Steuer, des Verprügelns ihrer Ehefrauen sowie wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt vor Gericht stehen, schaden dem Ansehen der NFL nicht im Geringsten.

Dafür, dass bei der NFL nichts, aber auch gar nichts anbrennt, gibt es nur eine Erklärung: eine hochprofessionelle PR-Abteilung, die so sorgfältig das Image hütet und managt, wie das in einem Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen heutzutage üblich ist. Und Fans, die sich weigern, sich den Spielgenuss von Störgeräuschen verderben zu lassen.

An dieser Stelle erklären die US-Korrespondenten Matthias B. Krause und regelmäßig Phänomene aus dem amerikanischen Sport.

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