Sport : Image ist wieder alles

Tennisprofi Kohlschreiber steht sein Ruf im Weg

Petra Philippsen

Hamburg - Drei kleine Worte waren es nur, doch André Agassi sollten sie zum Verhängnis werden: Image ist alles. Der Werbeslogan brachte dem Amerikaner Millionen ein, er verfolgte Agassi aber auch – Agassi hasste den Slogan. Philipp Kohlschreiber ist weit davon entfernt, in Agassis Dimensionen vorzustoßen, doch zurzeit bekommt auch der aktuell beste deutsche Tennisprofi deutlich zu spüren, wie beharrlich sich ein Image festsetzen kann. Bei der Suche nach einem neuen Trainer steht ihm sein Ruf im Wege.

Zu seinenmBeinamen als arroganter Querulant und überschätzter Emporkömmling hat der 26-Jährige selbst einiges beigetragen. Dass sein Management überhöhte Antrittsgelder für ihn forderte, als Kohlschreiber noch keine besonderen Erfolge vorzuweisen hatte, festigte seinen Ruf als geldgeiler Profi. Seine großspurigen Ansprüche verstimmten nicht nur oft die Kollegen, sie wurden ihm als Maßstab auch zum Verhängnis. Der angekündigte große Sprung blieb aus, Kohlschreiber pendelte sich in der Weltrangliste zwischen Rang 22 und 40 ein, vor zwei Jahren gewann er seinen letzten Titel. „Ich stagniere gerade“, sagt Kohlschreiber nun, „wenn ich es in den nächsten zwei, drei Jahren nicht in die Top 20 schaffe, glaube ich danach auch nicht mehr dran.“ Kohlschreibers Talent ist unbestritten, aber „die großen Ergebnisse fehlen“, wie Kohlschreiber zugibt: „Eine dritte Runde bei einem Grand Slam reicht nicht.“

Zum Saisonbeginn engagierte er seinen Ex-Trainer Michael Geserer als Manager, der seinen Imagewandel vorantreiben soll. Doch auch wenn Kohlschreiber um Änderung bemüht ist: Die Großbaustelle liegt auf dem Platz. Seit Wimbledon ist er ohne Trainer, seine schwachen Auftritte in Stuttgart und Hamburg belegten die Dringlichkeit. Zuvor hatte Kohlschreiber mit dem renommierten Schweden Thomas Hogstedt nach kürzester Zeit Kommunikationsprobleme gehabt. Ein guter Trainer versucht, etwas zu verändern – dafür war Kohlschreiber bisher nie bereit. Viele Coaches winken daher ab. Im Vorfeld der US Open steht ihm der Australier Darren Cahill zur Verfügung, aus dem Trainer-Pool seines Ausrüsters. Doch etwas Dauerhaftes ist nicht in Sicht. Umso mehr setzt Kohlschreiber auf ein Trainingslager mit Roger Federer in der kommenden Woche. Zumindest der Schweizer schert sich nicht um Kohlschreibers Ruf und fragte an, ob er Zeit habe. Petra Philippsen

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