Sport : Immer Ärger mit Leipzig

CDU-Politiker Winkler zieht sich aus Olympia-Planung zurück

Robert Ide

Berlin. Hermann Winkler macht gerade Urlaub im Schwarzwald. Am Dienstag besichtigte der Präsident des sächsischen Landessportbundes mit seiner Familie ein Freilichtmuseum. Doch während seine Kinder in kleinen Holzhäusern herumtobten, war der 40-Jährige im Dienst. Per Telefon teilte er eine Überraschung mit: seinen Rückzug aus der Leipziger Bewerbung um Olympia 2012. „Ich möchte damit ein Signal setzen, dass politische Differenzen nichts in der Bewerbungsgesellschaft zu suchen haben“, sagte CDU-Politiker Winkler dem Tagesspiegel.

Wie berichtet, war es zu Spannungen in der Bewerbungsgesellschaft gekommen. Vor allem zwischen Vertretern Sachsens, die von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) angeführt werden, und Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) gab es Streit. In der Aufsichtsratssitzung vor zehn Tagen war Tiefensee gefragt worden, ob er nicht auf seine mögliche Kandidatur bei der sächsischen Landtagswahl 2004 verzichten wolle. Würde Tiefensee antreten, wäre Amtsinhaber Milbradt sein direkter Konkurrent. Leipzigs Bürgermeister will sich erst im Frühjahr erklären; Sportfunktionäre fürchten darum eine Ausweitung des Wahlkampfs auf die Bewerbung. „Olympische Spiele sind kein Wahlkampfthema“, mahnte zuletzt Innenminister Otto Schily (SPD).

Nun erhöht sich der Druck auf Tiefensee. „Ich mache einen ersten Schritt“, sagte Winkler. „Ich hoffe, dass sich auch andere Beteiligte politisch zurücknehmen.“ Winkler ist Generalsekretär der CDU und als Wahlkampfmanager seiner Partei vorgesehen.

Tiefensee bemühte sich am Dienstag um Gelassenheit. Er sei immer gegen eine politisierte Bewerbung gewesen, hieß es aus seinem Büro. Winkler hatte zuvor den Chef des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Klaus Steinbach, informiert. „Ich betrachte das als guten Beitrag zur Entpolitisierung der Bewerbung“, sagte Steinbach auf Nachfrage. Zu Konsequenzen für Tiefensee wollte er sich nicht äußern. Der NOK-Chef forderte nach dem Streit um Personalfragen, Stasi-Belastungen und Betrugsvorwürfe zur Einigkeit auf: „Auf dem Rücken der Bewerbung darf weder die Vergangenheit aufgearbeitet noch Wahlkampf gemacht werden.“

Hermann Winkler hat vorerst seinen Beitrag dazu geleistet. Der CDU-Politiker freut sich nun auf künftige Aufgaben: „Ein Wahlkampf gegen Herrn Tiefensee wäre eine sportlich interessante Herausforderung.“

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