Sport : „Immer aufs Neue beweisen“

Stuttgarts Manager Horst Heldt über die Tabellenführung des VfB

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Sie sind schwer zu erreichen, liegt es an den Feierlichkeiten zur Tabellenführung?

Unsinn, hier feiert keiner. Viele Spieler sind wegen diverser Länderspiele nicht da, und wir hatten Vorstandssitzung.

Und wie war dort die Stimmung?

Gut, der Rest hört sich jetzt nicht besonders toll an,: Wir waren schnell beim Tagesgeschäft. Wir wissen doch alle, dass das nicht der Normalzustand ist und eher eine Momentaufnahme. Trotzdem sind wir glücklich, nach über zwei Jahren mal wieder oben zu stehen.

Auch bei Ihrer Mannschaft dürfte die Euphorie gestiegen sein. Leidet da die Konzentration vor einem Spiel wie dem Süd-Gipfel am Samstag in München?

Gegen die Bayern zu spielen, ist das Schönste überhaupt. Da freut sich jeder das ganze Jahr drauf. Wir können diesmal besonders entspannt hinfahren, wir sind nicht in der Not, unbedingt Punkte zu brauchen. Wir haben ein gewisses Polster. Wir fahren aber trotzdem nach München, um dort etwas mitzunehmen.

Erklären Sie mal bitte dem Rest des Landes, warum es beim VfB so gut läuft.

Am Anfang gab es jede Menge Misstrauen gegen unsere Arbeit. Wir aber haben klar gesagt, wohin die Reise gehen könnte, selbst als wir keine so schöne und erfolgreiche Zeit hatten. Da kannst du dann auch erzählen, was du willst, es glaubt dir keiner auch nur ein Wort. Wir haben uns Gedanken gemacht, was wir ändern müssen und wollen, und das haben wir getan. Grundlage für den Erfolg ist sicher die intensive Vorbereitung, die Mannschaft und Trainer durchgezogen haben. Es dreht keiner durch, das zeigen die Reaktionen der Spieler, die genau wissen, dass sie sich in jedem Spiel aufs Neue beweisen müssen. Wir haben im Kader eine sehr gute Konkurrenzsituation, dadurch dass junge und erfahrene Spieler um die Positionen kämpfen. Da kann sich keiner ausruhen, das sorgt für Schwung.

Und woher kommen die vielen jungen Talente? Auch diesmal ist die Rede von den „jungen Wilden“ aus Stuttgart.

Es ist kein Geheimnis, dass sich der Verein seit Jahren intensiv um seine Jugendarbeit kümmert, das beweisen die vielen Erfolge der Jugend- und Amateurmannschaften. Zudem spricht es sich inzwischen bei vielen jungen Spielern auch herum, dass in Stuttgart die Chance, zu spielen, besonders groß ist.

Wird es für die Spieler eine besondere Woche werden?

Zum Feiern besteht wie gesagt kein Anlass. Viele Spieler sind sowieso weg, was sehr schade ist – gerade vor solch einem Spiel wie gegen die Bayern. Aber die haben ja das gleiche Problem und müssen viele Spieler für Nationalmannschaften abstellen. Für eine junge Mannschaft wie die unsere wäre es schön, wenn die Spieler zusammen trainieren könnten.

Und wer gewinnt am Samstag?

Wir sind Außenseiter, das ist klar. Ich hoffe jetzt nur, dass unsere Spieler von den Länderspielen gesund zurückkommen, unsere Personaldecke darf nicht zu dünn werden. Wir sind nicht so gut besetzt wie andere Mannschaften. Wir haben viel Selbstvertrauen, aber für mehr besteht kein Grund. Wahrscheinlich wollen Sie mich jetzt auch noch fragen, ob ich demnächst die Meisterfeier plane?

Gut, dann tun wir das.

Das wäre maßlos übertrieben und arg früh. Trotzdem werde ich inzwischen schon oft danach gefragt.

Das Gespräch führte Oliver Trust.

Horst Heldt, 36, ist seit Januar 2006 Teammanager des VfB Stuttgart. Zuvor bestritt er insgesamt 359 Bundesligaspiele für Köln, 1860 München, Frankfurt sowie den VfB Stuttgart.

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