Sport : Immer defensiver

In Dortmund dreht sich auch vor dem Revierderby alles ums Geld

Felix Meininghaus

Dortmund. Manchmal hat man bei der Wahl seines Personals kein Glück. Beim Management Circle, der sich der „Bildung für die Besten“ verschrieben hat, preisen sie für das Seminar „Profisport – Finanzierung, Recht und Steuern“ derzeit Detlef Thiemann als Referenten an. Der Mann soll „fundierte Kenntnisse über Modelle zur Finanzierung von Sportvereinen oder deren Kapitalgesellschaften“ vermitteln. Ein Experte, der schmunzeln lässt: Thiemann ist Bereichsleiter Controlling bei der außer Kontrolle geratenen Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA.

Beim BVB wird derzeit eher über Geld als über Fußball geredet. Und das sogar vor dem Revierderby gegen Schalke 04 (heute, 20.15, live in der ARD). 83 000 Zuschauer werden im Westfalenstadion sein, die größte Kulisse, die es im Westen jemals bei einer Fußballpartie gegeben hat. Derweil bemüht sich Dortmunds Manager Michael Meier darum, den Eindruck zu korrigieren, der durch ein Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ entstanden ist. Dort hatte Meier angedeutet, die Saison sei für den BVB finanziell nicht abgesichert, sondern nur „mit zusätzlichen Effekten wie etwa Transfererlösen oder zusätzlichen Marketingerträgen“ zu finanzieren. Nun sagte Meier: „Die verkürzte Form gibt meine Aussagen unzureichend wieder.“ Es geht um viele Zahlen: Die „Zeit“ vermeldete, dass der Londoner Finanzmakler Steven Schechter dem BVB eine Anleihe von 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt hat.

Die Lage in Dortmund bleibt auch sportlich undurchsichtig. Das Vorbereitung auf die Rückrunde lässt keine Rückschlüsse auf die Verfassung einer Mannschaft zu, die sich nach fader Vorrunde auf die Überholspur begeben will. Sicher erscheint zur Zeit, dass der BVB weiter mit Mittelfeldstar Tomas Rosicky auflaufen wird. Das angebliche Interesse von Chelsea London, verbunden mit einer Offerte von kolportierten 30 Millionen Euro, entsprang wohl in erster Linie dem Wunschdenken des kleinen Tschechen und dessen Beraters. Ein konkretes Angebot, so betonen die Dortmunder, habe es nie gegeben.

Zwei sportliche Botschaften hat es im Dortmunder und Schalker Lager doch noch gegeben: Sammer hat in der Winterpause den Torwart gewechselt, für den schwächelnden Roman Weidenfeller rückt der Franzose Guillaume Warmuz zwischen die Pfosten. Beim Rivalen muss Publikumsliebling Ebbe Sand auf die Bank. Der Däne ist nach null Toren in der Hinrunde nur zweite Wahl. Mike Hanke und Gerald Asamoah sollen im Schalker Sturm dafür sorgen, dass auch das elfte Revierderby in Folge nicht verloren geht.

Dagegen flehen sie auf Dortmunder Seite um einen glücklichen Ausgang. Viele Beobachter mutmaßen , dass die Missfallenskundgebungen im Westfalenstadion andernfalls drastisch ausfallen könnten. Ob Präsident Niebaum, Manager Meier oder Trainer Sammer - sie alle könnten bei einer Schmach die Wut des Volkes zu spüren bekommen. Sammer weiß: Das wird kein normales Spiel, nach all dem Theater, das wir hatten.“

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